Vanoli rotiert wild: kean fehlt gegen rakow, parisi fordert befreiungsschlag
Die Stimme klang rau vom vielen Reden, aber die Botschaft war klar: Paolo Vanoli will in Krakau nichts von Liga-Notstand wissen. „Morgen zählt nur die Conference League“, sagt der Fiorentina-Coach am Vorabend des Achtelfinal-Hinspiels beim polnischen Rakow. „Wir werden diese Partie mit vollem Einsatz onorieren, danach blättern wir um auf Cremona.“
Vanoli plant den befreiungsschlag
Dahinter steckt eine einfache Rechnung: Seit sechs Europapokal-Spielen kassierte Rakow nur zwei Gegentore. Wer die Italiener in dieser Saison gesehen hat, weiß, dass ihre Angriffsmaschine oft genau so stottert wie die Tabelle suggeriert – Platz 14, nur drei Punkte vor dem Abstiegsstrich. Ein Sieg im Stadion-Miejski würde nicht nur das Viertelfinale näherrücken lassen, sondern vor allem die Köpfe frei machen für das schwere Auswärtsspiel am Montag bei Cremonese.
„Wir brauchen eine gute Performance, nicht nur ein Ergebnis“, betont Vanoli und schickt damit eine Kampfansage an die Rotationsskeptiker. Denn der 45-Jährige wird morgen wieder auf mehrere Jungprofis und Reservisten setzen. Dean Huijsen, Roberto Piccoli und Matías Moreno sollen beweisen, dass der Kader breiter ist als die jüngsten Pleiten vermuten lassen. „Wenn sich die Chance ergibt, nehme ich die Jungs von der Primavera mit – das ist kein Experiment, sondern Notwendigkeit.“
Das Mittelsturm-Rätsel ist dabei das größte Nagelbrennen. Moise Kean laboriert an einer Kapselverletzung im Sprunggelenk, ein Einsatz steht erst am Montag wieder zur Debatte. Also droht Albert Gudmundsson erneut als falsche Neun durch die Gegner-Mitte zu kurven, während Lucas Beltrán auf der Bank beginnt. „Ich will kein Guardiola sein“, scherzt Vanoli, „aber manchmal muss man eben improvisieren.“

Parisi zurück, fagioli geschont
Einer, der auf jeden Fall von Anfang an läuft, ist Fabiano Parisi. Der Linksverteidiger saß am Sonntag gegen Parma wegen Gelb-Sperre in der Kabine, nun darf er Rakows Flügelsturm Vladislavs Gutkovskis stoppen. „Wir müssen gewinnen, Punkt“, sagt Parisi und klingt dabei mehr wie ein ultrasüchtiges Curva-Mitglied als wie ein 23-jähriger Profi. „Das ist unser Wettkampf, unser Saison-Finale in der Conference.“
In der Tat: Scheitert Fiorentina hier, dürfte der Rest der Spielzeit zur Qual werden. Die Fans erinnern sich an das Aus gegen Istanbul Basaksehir vor zwei Jahren, das die komplette Rückrunde vergiftete. Deshalb rotiert Vanoli trotz aller Ligarelevanz mit maximaler Konsequenz. Niccolò Fagioli bleibt in Florenz, Pietro Terracciano sitzt auf der Bank, für David de Gea steht Oliver Christensen zwischen den Pfosten – ein Einsatz, der laut UEFA-Liste bereits fix ist.
Die Zahlen sprechen für sich: Fiorentina gewann nur zwei der letzten acht Pflichtspiele, schoss dabei magere fünf Tore. Rakow blieb in 17 Heimspielen ungeschlagen und kassierte in der Gruppenphase gerade einmal zwei Gegentreffer. „Die Polen sind direkter und aggressiver als Jagiellonia damals“, warnt Vanoli. „Wir müssen die erste Pressing-Linie knacken, sonst wird es eng.“
Am Ende zählt also wieder jenes Credo, das Vanoli seit Wochen predigt: Leistung vor Resultat, Moral vor Tabelle. Wenn das nicht klappt, steht am Montag in Cremona möglicherweise ein letzter Strohhalm auf dem Spiel – und der hört auf den NamenKean. Der Stürmer absolviert derzeit ein individuelles Aufbaukonzept, Muskeln sind nicht betroffen. „Wir können es kontrollieren“, sagt Vanoli. „Das Ziel heißt Cremona, klar. Aber erst einmal müssen wir in Krakau überstehen.“
Um 21:00 Uhr geht’s los, die Temperatur kratzt an vier Grad, der Wind pfeift über die Weichsel. Für Fiorentina ist das ein Spiel im Spiel – und vielleicht der Funke, der die versprengte Saison doch noch entzündet.
