Van der poels schotter-attacke verpufft: del toro übernimmt tirreno-führung

Ein Sprint wie aus dem Bilderbuch, aber die Rosa Trikot-Macht liegt woanders: Mathieu van der Poel riss auf der Schotterpiano von Cappellina die Hufeisen zwar aus dem Feuer, doch Isaac del Toro kassierte die echten Punkte. Der Mexikaner trägt jetzt das Azur-Trikot, während zwei deutsche Teams nur die Resttabelle anstarren.

Warum arensman plötzlich 3:48 zurückfällt

Die Antwort liegt in einem regennassen Gruselkapitel vor San Gimignano. Thymen Arensman rutschte auf der mit Laub verklebten Schotterpassage weg, landete auf dem Hüftknochen und verlor fast vier Minuten. Für einen Mann, der in Lucca noch von „Podest-Option“ sprach, ist Tirreno damit gelaufen. Team Ineos versuchte noch mit Remco Evenepoel-Stil-Beschleunigungen das Feld zu spalten, doch die Reifen rissen durch, die Funkgeräte schwiegen, und die Konzentration löste sich in Toskanas Nebel auf.

Oben raus schaltete van der Poel in den Cross-Modus. 53×11 Zähne, 1.050 Watt Peak – die Zahlen lügen nicht. Der Niederländer zog 200 Meter vor dem roten Flaggentuch seine Attacke, del Toro und Pellizzari klebten sich an seinem Hinterrad wie Frühjahrsglibber. Im Stehsprint hatte der Alpecin-Kapitän die längeren Beine, nicht aber die Bonussekunden. Die gingen an del Toro, weil Pellizzari vor dem Zeitmesschip noch ein Radlänge Luft ließ. Mikro-Mathematik, Makro-Konsequenzen.

Pellizzari, der 22-jährige geheimtipp, wackelt nicht

Pellizzari, der 22-jährige geheimtipp, wackelt nicht

Giulio Pellizzari fuhr bisher vor allem bei U23-Giro auf sich aufmerksam. Gestern ließ er Red Bull-Bora-Hansgrohe erstmals auf WorldTour-Ebene jubeln – fast. 3 Sekunden fehlen ihm auf del Toro, dafür aber ein Berg-Konto voller Selbstvertrauen. „Ich wusste, dass die Schotterstrecke mein Terrain ist“, sagte er nach der Zieldusche, „aber gegen van der Poels Sprint habe ich noch keine Lösung.“

Deutschland? Nur eine Randnotiz. Georg Zimmermann wird als 62. gewertet, Max Schachmann verlor nach Sturz bereits am Samstag 1:18. Max Walscheid darf heute hoffen – Cortona nach Magliano de’ Marsi ist flach wie ein Billardtuch – doch ohne Lead-out-Zug wirkt sein Sprint wie ein Faustschlag im luftleeren Raum.

Die Bilanz nach zwei Tagen: ein verregneter Krimi, drei verstreute Favoriten, ein neues Gesicht an der Spitze. Del Toro ist 21 Jahre alt, hat noch kein einziges WorldTour-Rennen gewonnen, führt aber das bedeutendste italienische Etappenrennen an. Tirreno-Adriatico bleibt unberechenbar – und das ist exakt der Grund, warum wir weiterhinschalten.