Vallecas wird zur hochrisikowaffe: 350 beamte sperren rayo-spiel ab

Donnerstagabend in Vallecas: Was als Fußballfest beginnen soll, gleicht eher einer Militäroperation. Die UEFA-Conference-League-Semifinale zwischen Rayo Vallecano und Racing Straßburg ist zum Hochrisikospiel erklärt worden – und die spanische Hauptaktioniert mit einem Sicherheitsapparat, der selbst das Clásico in den Schatten stellt.

745 Franzosen, 15 000 spanier und ein stadion im ausnahmezustand

Die Zahl klingt fast niedlich: 745 Gästefans haben offiziell Karten für die Partie. Doch genau diese kleine Gruppe hat die Behörden auf den Plan gerufen. Die Lage ist brisant: Rayo-Ultras gelten als eine der organisiertesten Gruppierungen Spaniens, die Elsässer reisen mit einer Hooligan-Truppe an, die in Frankreich seit Jahren auf der Abschussliste steht. Das Ergebnis: 350 Sicherheitskräfte aus neun verschiedenen Einheiten werden das Estadio de Vallecas in einen Bunker verwandeln.

Die Aufstellung liest sich wie ein Who-is-Who der spanischen Ordnungsmacht: UIP (Bereitschaftspolizei), berittene Einheiten, die berüchtigte Brigada Móvil, Spürhunde, U-Bahn-Spezialisten und die Informationseinheit, die seit Wochen die sozialen Netzwerke beider Fangruppen observiert. Dazu kommt die Policía Municipal, Samur-Notärzte, Feuerwehr und ein privates Sicherheitsunternehmen, das den Club sonst nur bei Derbyspielen einsetzt.

Der teufel steckt im ticketsystem

Der teufel steckt im ticketsystem

Was die Behörden wirklich nervös macht: Die Kontrolle über die Kartenverkäufe ist brüchig geworden. Rayo Vallecano musste nach der Hochrisiko-Einstufung binnen 24 Stunden alle Online-Tickets für das Gästeblock erneut registrieren – ein Albtraum für den Datenschutz und ein Geschenk für Schwarzhändler. Die Franzosen haben ihre Zuteilung längst überbucht, die Spanier fürchten Provokationen in den Außenbereichen. Die Lösung: Zwei getrennte Einlasszonen, eine Sperrzone von 500 Metern um das Stadion und eine Eskorte für die Gästefans, die an einem geheimen Treffpunkt startet.

Die Polizei rät Einheimischen, 90 Minuten vor Anpfiff anzureisen – ein Novum für ein europäisches Halbfinale. Wer später kommt, riskiert, vor verschlossenen Toren zu stehen. Die U-Bahn-Station Vallecas wird zwischen 18:00 und 23:00 Uhr nur noch mit Ausweiskontrolle passierbar sein, ein Szenario, das selbst bei Champions-League-Spielen von Real Madrid selten angewendet wird.

Und das alles für ein Turnier, das vor zwei Jahren noch als „kleiner Bruder“ der Europa League galt. Die Conference League hat sich längst zu einem Pulverfass entwickelt: Niedrige Ticketpreise, unbekannte Gegner und die Aussicht auf ein Endspiel in Athen treibt Fanlager an, die normalerweise nicht aufeinandertreffen. Rayo gegen Straßburg ist nur die Spitze des Eisbergs – und Vallecas der Schauplatz eines Experiments, wie weit Sicherheit gehen darf, bevor der Sport darunter leidet.

Um 21:00 Uhr ertönt der Pfiff. Bis dahin werden die 350 Beamten mehr Munition für ihre Funkgeräte verbraucht haben als die Spieler für ihre Torschüsse. Die Bilanz steht schon fest: Kein Sieger, nur Überwachung.