Valencia entlässt angulo wie einen fremden bürokraten

25 Jahre Blut, Schweiß und fünf Titel – und dann kommt der Sohn des Eigentümers, der noch nie 90 Minuten Mestalla-Atmosphäre live erlebt hat, um Miguel Ángel Angulo durch die Hintertür zu feuern. Die Entscheidung fiel nicht auf dem Rasen, sondern in einem 150-minütigen Zimmergespräch zwischen Kiat Lim und CEO Ron Gourlay. Ergebnis: Angulo darf nicht mehr neben dem Feld des B-Teams sitzen. Er soll ein „Projekt“ einreichen, wenn er bleiben will – als wäre er ein Praktikant, der sich beweisen muss.

Corberán ahnte nichts – und gourlay bot ihm den anwalt

Corberán ahnte nichts – und gourlay bot ihm den anwalt

Als Trainer Carlos Corberán Angulo am Mittwoch in der Ciudad Deportiva traf, fragte er irritiert nach dem fassungslosen Gesicht. Antwort: „Sie haben mich rausgeschmissen.“ Corberán konnte es nicht glauben; er hatte gerade mit Lim und Gourlay über die Zukunft des Klubs debattiert – ohne dass ihm jemand diesen Schritt erwähnte. Sekunden später der zweite Schlag: Gourlay empfahl Angulo, „mit seinem Anwalt zu sprechen“, falls er kündigen wolle. Oder eben ein Konzept vorzulegen, wie er Valencia helfen könne. Ein Legende, der sich bewerben soll bei dem Verein, für den er 437 Pflichtspiele bestritt.

Die Formulierung „nicht entlassen“ ist technisch korrekt. Der Vertrag läuft, nur das Amt als Filial-Chefcoach ist Geschichte. Doch die Message ist eindeutig: Man entledigt sich eines Symbols, das die Fans noch lieben, weil es Erinnerungen an UEFA-Cup-Siege und Meisterschaften weckt. Gourlay und Lim verkaufen das intern als „Restrukturierung“. Wer genau recherchiert, entdeckt: Die U23 liegt zwar abgeschlagen in der Tabelle, doch Angulo hatte erst im Winter sieben Leihspieler verloren und musste mit Jugendlichen improvisieren. Die sportliche Begründung klingt daher dünn.

Am Trainingsgelände in Paterna herrscht Ratlosigkeit. Angulo verließ das Geläude mit gesenktem Blick, ohne Abschiedsfoto, ohne Pressestatement. Spieler, die ihn seit der Jugend kennen, posten in sozialen Netzwerken Emojis von gebrochenen Herzen. Für viele ist er der Inbegriff von Valencia, nicht bloß ein langjähriger Dienstleister. Dass kein Vorstandsmitglied es für nötig hielt, ihm persönlich die Gründe zu erklären, versetzt gerade die Veteranen des Klubs in Rage. „Wenn das die neue Kultur ist, wollen wir sie nicht“, zitiert ein Betreuer den Kapitän des Hauptteams.

Valencia verdient in diesem Sommer keine Schlagzeilen wegen Transfers, sondern wegen eines Makels, den man so schnell nicht abwischen wird. Denn wer einen Angulo wie einen lästigen Aktenordner entsorgt, demonstriert, dass Tradition hier keinen Stellenwert mehr hat – nur noch PowerPoint-Präsentationen und Anwaltsschreiben zählen. Für die Fans ist klar: Solange Lim und Gourlay das Heft in der Hand halten, bleibt die Seele des Klubs auf unbestimmte Zeit gesperrt.