Union berlin schockt freiburg in der nachspielzeit – raab hält den klassenerhalt fest

Ein Debüt wie aus dem Bilderbuch: Matheo Raab stand 90 Minuten lang zwischen den Pfosten, weil Frederik Rönnow mit Adduktorenproblemen ausfiel – und ging als Held vom Platz. Der 24-jährige Ersatzmann blieb ohne Gegentor, parierte in der 14-minütigen Nachspielzeit gegen Niklas Beste mit dem Reflex eines Altstars und war anschließend der erste, der vor der ausverkauften Gästetribüne von 3.500 Berlinern tanzte.

Das 1:0 in Freiburg war kein Ergebnis, das man vor dem Spiel ernsthaft auf dem Wettschein stehen hatte. Die Zahlen sprachen gegen Union: kein Sieg seit Januar, nur ein Punkt aus den letzten fünf Partien, dazu die Auswärtsschwäche – nur 13 Prozent der Saisonpunkte holten die Köpenicker fern der Alten Försterei. Doch Zahlen sind nur Papier, wenn Woo-yeong Jeong in der zweiten Minute der Nachspielzeit den Ball am langen Pfosten einschiebt und die Schwarzroten plötzlich auf Platz neun springen.

Steffen baumgart nimmt die bremse raus

Union-Coach Steffen Baumgart beendete vor dem Spiel das taktische Geduldsspiel. Statt der gewohnten Fünferkette stellte er seine Mannschaft auf Viererkette um, ließ Jeong und Ilic im Sturmzentrum agieren und ordnete Livan Burcu als zusätzlichen Sechser vor der Abwehr an. Die Umstellung war Risiko und Rezept zugleich: Freiburg dominierte zwar die Ballbesitzphase, schaffte aber keine zwingenden Torgelegenheiten. Cyriaque Irié schoss aus spitzem Winkel vorbei, Derry Scherhant zirkelte einen Freistoß knapp drüber – mehr Druck erzeugte der SC nicht.

Die Berliner hingegen lauerten auf Konter. Alex Kral scheiterte aus 16 Metern an Noah Atubolu, Burcu hämmerte den anschließenden Freistoß in die Wolken über dem Schwarzwaldstadion. Es war ein Spiel, das nach schwarz-rotem Glück roch – und diesen Geruch bekam Union kurz vor Ultimo.

Freiburgs europa-fluch schlägt zu

Freiburgs europa-fluch schlägt zu

Für Freiburg ist die Niederlage der dritte Rückschlag innerhalb von sieben Tagen. Das 0:1 in Genk im Europa-League-Achtelfinale war erst der Auftakt, nun folgt das 0:1 gegen Union. Trainer Julian Schuster wechselte zwar früh Lucas Höler und Yuito Suzuki ein, brachte später Vincenzo Grifo und Niklas Beste – doch die Ideen verpufften an einer diszipliniert verteidigenden Union-Mauer. Die Breisgauer verpassten es, die Lücke zwischen sich und der Konkurrenz zu vergrößern, bleiben bei 34 Punkten und schauen nun nach unten statt nach oben.

Die Stimmung beim SC kippte in der 92. Minute endgültig. Als Jeong den Ball im Netz versenkte, verstummte das Stadion innerhalb einer Sekunde. 34.000 Zuschauer atmeten kollektiv aus – und dann kamen die Pfiffe. Freiburg muss nun am Sonntag bei FC St. Pauli antreten, das Team von Schuster droht, zwischen Liga- und Pokalbetrieb zu zerreiben.

Union vor dem bayern-gipfel mit rückenwind

Union vor dem bayern-gipfel mit rückenwind

Für Union geht es am Samstag gegen Bayern München weiter – ein Gegner, der nach dem 1:1 in Leverkusen selbst unter Druck steht. Die Siegesserie der Berliner gegen den Rekordmeister ist längst Geschichte, doch mit dem Rückenwind vom Breisgau ist alles möglich. Matheo Raab wird wohl wieder auf der Bank sitzen, wenn Rönnow zurückkehrt, aber sein Name wird in den Fanliedern der nächsten Wochen nicht mehr wegzudenken sein.

Die Tabelle lügt nicht: Union hat sieben Punkte Vorsprung auf den Relegationsrang, vier Punkte fehlen bis zum rettenden Mittelfeld. Die Saison ist noch lang, doch mit einem Sieg in Freiburg haben die Köpenicker nicht nur drei Punkte geholt – sie haben dem Abstieg die Rote Karte gezeigt.