Union berlin: marie-louise eta bricht tabus im männerfußball

Berlin – Der Aufstieg von Marie-Louise Eta zur Cheftrainerin von Union Berlin hat die Fußballwelt in Aufruhr versetzt. In einem seltenen und aufschlussreichen Interview mit der ZEIT spricht die 34-Jährige nun offen über die Herausforderungen, den Druck und ihre Vision für die Zukunft des Vereins. Ein Blick hinter die Kulissen einer historischen Entscheidung.

Die verantwortung als frau im fußball

Die Ernennung zur ersten Bundesliga-Cheftrainerin war ein Erdbeben, das in der Sportwelt widerhallte. Eta selbst betont, dass ihr das gesellschaftliche Gewicht dieser Rolle bewusst sei. „Ich kann das Interesse verstehen. Mir ist bewusst, was das gesellschaftlich bedeutet. Da entsteht eine Verantwortung für mich – ob ich will oder nicht“, erklärt sie. Doch Eta ist entschlossen, sich nicht von der Diskussion über ihr Geschlecht definieren zu lassen. Sie will gesehen werden als Fußballtrainerin, nicht als Frau im Fußball.

„Ich wollte schon immer mit Leistung überzeugen“, so Eta. Die letzten Tage seien „ein bisschen Wahnsinn“ gewesen, aber sie habe sich schnell darauf konzentriert, ihre Arbeit zu erledigen. Und wie geht sie mit den oft unsäglichen, stereotypischen Kommentaren um, die ihr entgegengebracht werden? „Ich kann mich wehren, ich kann weghören. Und ich kann zurückschreien“, antwortet sie entschlossen. Ein dickes Fell hat sie sich im Laufe der Jahre angelegt – und das ist auch gut so.

Vorreiterin, nicht pionierin

Vorreiterin, nicht pionierin

Obwohl Eta als Pionierin gefeiert wird, sieht sie sich selbst eher als „Wegbereiterin“. Sie erinnert an andere Frauen, die bereits vor ihr im Männerfußball Fuß gefasst haben, wie die Französin Corinne Diacre oder Imke Wübbenhorst. Auch der Name Bibiana Steinhaus, eine der bekanntesten Fußballschiedsrichterinnen Deutschlands, fällt. „Sie hat mich gepfiffen, als ich noch aktiv war. Ich bin nicht die erste Frau“, stellt Eta klar. Die Kontinuität wird oft übersehen, aber sie ist Realität.

Ein überraschender coup: zinglers vertrauen

Ein überraschender coup: zinglers vertrauen

Besonders kurios ist der Umstand, dass der Wechsel zu Eta nicht lange überlegt war. Klubpräsident Dirk Zingler habe ihr einfach gesagt: „Du machst das jetzt. Ich zähl auf dich.“ Das Telefonat soll wenige Minuten gedauert haben. Und ein Berater? „Ich habe keinen. Ich habe keine Zeit, mich mit diesen Dingen zu beschäftigen“, erklärt Eta pragmatisch. Sie konzentriert sich auf das Wesentliche: das Training der Mannschaft.

Das erste Spiel unter ihrer Leitung endete zwar mit einer 1:2-Niederlage gegen Wolfsburg, doch am Freitag reist Union zu einem weiteren Test gegen RB Leipzig. Eta weiß, dass es Zeit braucht, um ihre Vorstellungen umzusetzen. „Ich kann nicht erwarten, dass von heute auf morgen alles funktioniert, was ich mir vornehme“, mahnt sie. Aber eines ist sicher: Marie-Louise Eta ist eine Frau, die sich nicht unterkriegen lässt und die bereit ist, für ihre Vision zu kämpfen. Ihr Auftreten ist ein klarer Signal: Der Männerfußball wird sich verändern müssen – und das ist gut so.