Union berlin entführt drei punkte aus freiburg und rüttelt die abstiegsangst ab

Der 1. FC Union hat am Sonntagabend den SC Freiburg mit 1:0 bezwungen und sich damit endgültig aus dem Tabellenkeller verabschiedet. Woo-Yeong Jeong erzielte in der zweiten Minute der Nachspielzeit das späte, aber hochverdiente Tor des Tages – und schickte 819 Kilometer entfernte Fans in Ekstase.

Ein sieg, der mehr bedeutet als drei punkte

Die Zahlen vor dem Spiel waren düster: nur ein Sieg aus den letzten zehn Partien, kein Auswärtssieg seit der Winterpause, dazu die Unsicherheit in der Abwehr, weil Frederik Rönnow mit Grippe ausfiel. Doch genau in dieser Not schmiedete Trainer Steffen Baumgart eine Mannschaft, die sich in die Geschichte des Tages schrieb. Mit einer Viererkette statt der gewohnten Dreierkette presste Union früh, störte den Aufbau der Freiburger und nahm ihnen die Luft.

Freiburg hatte 68 % Ballbesitz, schoss 19 Mal und legte fast sieben Kilometer mehr zurück – doch die einzige Statistik, die zählt, lautet 1:0. Die Expected Goals von 1,3 zu 0,8 täuschen darüber hinweg, dass Union die größere Cleverness besaß. Die Gäste warteten geduldig auf den einen Konter, der ihnen die Punkte bringen sollte. Er kam, als sich die Uhr schon auf 90+2 zeigte.

Matheo raab: der unbekannte held

Matheo raab: der unbekannte held

Der 23-jährige Ersatztorwart stand erstmals in der Bundesliga zwischen den Pfosten. Was wie ein Notnagel klingt, wurde zur Heldengeschichte. Raab parierte in der 110. Minute einen Distanzschuss von Niklas Beste – mit einer bereits lädierten rechten Hand. „Ich habe nur gedacht: nicht rein, egal wie“, sagte er nach Abpfiff. Seine Ruhe steckte an der gesamten Abwehr, die in sieben Spielen nun schon ungeschlagen bleibt.

Die stunde der joker

Die stunde der joker

Woo-Yeong Jeong erzielte alle seine drei Saisontore 2026 als Einwechselspieler. Gegen Freiburg nahm er den Ball auf halbrechts, zog nach innen und schlenzte ihn mit links ins lange Eck. Atubolu war noch mit den Fingerspitzen dran, aber drin war drin. Die Berliner Bank explodierte, während auf der Gegenseite die Erkenntnis sank: der Europacup-Einsatz in Genk kostet Kraft, und diese Saison wird enger, als gedacht.

Die Union-Fans zogen ihr Banner „Anstoßzeiten fair gestalten“ vor dem Spiel hoch – ein Protest gegen 17:30 Uhr, eine Uhrzeit, die nach dem Abpfiff bedeutet: keine direkte Zugverbindung mehr nach Berlin. Die Reise wird zur Nachtschicht. Doch wer nach 14 Minuten Nachspielzeit und einem Sieg wie diesem noch nörgelt, hat das Herz verloren.

Mit 31 Punkten springt Union auf Rang neun – sieben Punkte Luft zum Relegationsplatz. Die Angst vor dem Abstieg ist erstmal passé. Nächste Woche gastiert der FC Bayern in der Alten Försterei. Dann wird wieder gejubelt – und vielleicht sogar wieder gezittert. Aber das ist nächste Woche. Heute gilt: Berlin atmet auf, Freiburg schluckt die bittere Pille. Und Woo-Yeong Jeong? Der kann sich den Ruf als Königs der Nachspielzeit erst einmal verdienen.