Unibet rose rockets: wie eine videokamera den radsport aufmischt

Das Peloton hat sich verändert. Während sich etablierte Teams in alten Hierarchien suhlen, hat sich ein Newcomer mit frischem Wind eingeschlichen: Unibet Rose Rockets. Was als spielerische Idee begann, ist nun eine ernstzunehmende Macht im Profi-Radsport – und das dank einer Kamera, einer Prise Humor und dem unbändigen Willen, den Sport neu zu erzählen.

Von youtube-challenges zum worldtour-sieg

Die Geschichte der Rockets ist so ungewöhnlich wie inspirierend. Ausgehend von den YouTube-Kanälen 'Tour de Tietema', wo Devin van der Wiel, Josse Wester und Bas Tietema mit Fan-Challenges und humorvollen Videos für Aufsehen sorgten, entstand eine Community, die mehr wollte als nur Unterhaltung. Sie wollten Teil des Radsports sein, ihn verstehen und ihn mitgestalten. Und sie haben es geschafft.

Was einst als lockere Unterhaltung begann, entwickelte sich zu einem professionellen Rennteam. Zuerst Continental, dann ProTeam und schließlich die ersehnte Wildcard für den Giro d'Italia. Fünf Siege in wenigen Monaten, darunter ein WorldTour-Erfolg durch Dylan Groenewegen, sprechen eine deutliche Sprache: Die Rockets sind kein kurzlebiger Trend.

Marcel Kittel, eine der prägenden Figuren des Teams, erklärt das Phänomen mit pragmatischer Klarheit: „Unsere Basis ist ein hoher Fokus auf Leistung. Wir sind professionell, arbeiten hart, aber wir haben den Vorteil, die Medien als integralen Bestandteil unserer Identität zu nutzen.“ Das ist der Kern der Sache. Die Rockets haben verstanden, dass im modernen Radsport nicht nur das Rennen entscheidend ist, sondern auch die Art und Weise, wie es erzählt wird.

Transparenz und nähe: das erfolgsrezept

Transparenz und nähe: das erfolgsrezept

Während viele Teams in starren Strukturen und vorgefertigten Pressemitteilungen stecken, setzen die Rockets auf Authentizität. Kameras im Bus, Einblicke hinter die Kulissen, humorvolle Momente – sie zeigen das echte Gesicht des Radsports. „Wir wollen unsere Geschichte erzählen, unsere Erfahrungen teilen. Das erfordert gute Momente, aber auch stressige Phasen“, so Kittel. Und sie zeigen beides.

Der Fan sieht nicht nur Ergebnisse, sondern Menschen. Er erlebt die Nervosität vor dem Start, die Enttäuschung nach einem verpassten Ziel, die langen Reisen und die kleinen Freuden des Teamlebens. Das schafft eine Verbindung, die über die reine sportliche Leistung hinausgeht. Es entsteht eine Art Stammesgefühl, wie Kittel es beschreibt. Junge Fans, Familien, Neulinge im Radsport – sie alle finden bei den Rockets eine neue Heimat.

Der Coup gelang mit Dylan Groenewegen, einem Sprinter von Weltklasseformat. Sein Wechsel zu den Rockets war ein Statement: Er glaubte an ein Projekt, das mehr war als nur ein Team. Er glaubte an eine Vision, die den Radsport verändern könnte. Und er hat Recht.

Der giro als prüfstand

Der giro als prüfstand

Der Giro d'Italia ist nun die nächste Hürde. Die erste große Rundfahrt für die Rockets. Es ist der Test, der zeigt, ob aus der Idee eine nachhaltige Erfolgsgeschichte wird. In Bulgarien spürte man die Aufbruchsstimmung, die Begeisterung für das, was man bisher erreicht hat. „Wir sind sehr gespannt“, sagt Kittel. „Es gibt viel Enthusiasmus hier, und ich glaube, dieser Start hat großes Potenzial.“

Die Rockets mögen noch nicht über das Budget der etablierten Teams verfügen oder eine lange Tradition vorweisen können. Aber sie haben etwas, das im modernen Radsport immer wertvoller wird: eine unverwechselbare Persönlichkeit. Sie haben den Mut, anders zu sein, den Mut, den Sport neu zu erzählen – und den Mut, mit einer Kamera die Welt zu verändern.