Um 3 uhr wird’s heller: die sommerzeit schlägt 2026 zu – und dein kreislauf kriegt den tritt
Am 29. März um 02.00 Uhr verschwindet eine Stunde aus unserem Leben. Die Uhren springen auf drei, die Straßenlaternen erlöschen später, und plötzlich ist der Feierabend wieder im Licht – zumindest theoretisch. Denn wer früh aufsteht, spürt zuerst nur eins: Schlaflosigkeit mit Katergesicht.
Warum der staat uns nachts bestiehlt
Der Trick ist alt, die Begründung auch. Weniger Strom am Abend, mehr Tageslicht für Sport und Freizeit, so die Rechnung der Energiekonzerne. Ob die aufgeht? Zweifelhaft. LED-Lampen braucelln kaum Watt, Home-Office verlagert den Peak. Dennoch zieht der Kalender unbeirrbar seine Kreise: 2027 folgt der nächste Ruck, dann 2028, 2029 – ein Hamsterrad aus Zahnrädern und Sonnenstand.
Lo que nadie cuenta es que der Körper sich weigert. Cortisol, Melatonin, Herzschlag – alles schreit „Falsche Zeit!“. Studien der Charité zeigen: Am Montag nach der Umstellung klettern Herzinfarkte um sieben Prozent. Dreihunderttausend zusätzliche Schlafstörungen in Europa, so die Schätzung des Münchner Chronobiologen Roenneberg. Die Leistungskurve fällt, die Unfallkurve steigt. Ein Preis für eine Stunde Licht.

Smartphone rettet, analoge uhr lügt
Während iPhone und Samsung sich selbst justieren, sitzen Omas Wanduhr auf dem Treppenwitz. Drei Minuten vor, fünf nach – irgendwann klingelt der Wecker trotzdem zu spät. Sportvereine ächzen: Die Sonntagmorgen-Kids kommen zerzaust, die Eltern jammern über fehlenden Rhythmus. Und ich, Christian Schneider, stehe mit Stoppuhr an der Linie, weil das Hallenbad erst um 19 Uhr öffnet statt um 18. Trainingsplan? Makulatur.
Die EU schwafelt seit Jahren von Abschaffung, doch die Nationalstaaten blockieren. Italien will behalten, Finnland abschaffen, Deutschland duckt sich weg. Solange Brüssel diskutiert, tickt die Industrie weiter. Outdoor-Fitness-Apps sparen Strom, TV-Sender freuen sich über längere Prime-Time. Der Bürger zahlt mit Schlaf.

Der countdown läuft schon
Wer jetzt denkt, ein früherer Gang ins Bett würde helfen, täuscht sich. Der Circadiane Schläger braucht eine Woche, um umzustellen – genau bis zur nächsten Liga-Pleite oder zum Marathon, den du ohnehin schon zu schnell angegangen bist. Also Trick vorsorgen: Ab Montag, dem 24., jeden Abend zehn Minuten früher die Jalousie runter, das Handy weg, dafür die Rolladen hoch. Lichttherapie im Wohnzimmer, Kaffee nur bis 14 Uhr. Klingt nach Wellness, ist reine Überlebensstrategie.
Und wenn dann endlich der 25. Oktober kommt, wirst du dich erinnern: Die eine Stunde, die man dir im Frühling stahl, schenkt dir der Herbst zurück – samt nebliger Bahnsteige und Flutlichtspielen, die erst um 17.30 Uhr beginnen. Bis dahin heißt es: Durchhalten. Der Körper vergisst nie, nur die Politik schläft weiter.
