Uluc vor dem aus: jenas pokaltraum wird zur trainerfalle
Die Nachricht schlug ein wie ein Blitz aus heiterem Thüringenhimmel: Volkan Uluc soll Carl Zeiss Jena direkt nach dem Landespokalfinale verlassen – ein halbes Jahr vor Vertragsende. Der Tabellendritte der Regionalliga Nordost rüstet sich für den Saisonendspurt, doch die Köpfe sind anderswo.
Strategie-streit im paradies
Der Knackpunkt: Geschwindigkeit. Uluc will mit vollen Segeln in die Drittliga-Überraschung starten, die Vereinsführung setzt auf Sparflamme und Eigenbauspieler. Die Fronten sind verhärtet, die Gespräche laufen nur noch auf Zeit. „Vertrauensvoll und offen“ klingt in Jena derzeit wie ein schlechter Witz.
Der 56-Jährige erlebte das schon einmal. 2016 schmiss man ihn raus, nachdem er die Mannschaft auf Rang drei geführt hatte. Jetzt droht die Déjà-vu-Premiere: Erst Halbfinale-Krimi gegen Erfurt, dann Finale gegen Meuselwitz – und danach die Trennung. Der Pokal, einst Hoffnungsträger, wird zur Abstellkammer für unbequeme Personalentscheidungen.

Zwickau kommt zur unzeit
Am Mittwochabend gastiert der FSV Zwickau im Ernst-Abbe-Sportfeld. Eigentlich ein Nachholspiel wie jedes andere, doch die Spieler wissen: Jeder Fehlpass, jeder Blick zur Bank wird unter Uluc-Mikroskopen vergrößert. Die 10 Punkte Rückstand auf Spitzenreiter Lok Leipzig sind Mathematik, die Stimmung im Klub ist reine Psychologie.
Uluc selbst stand vor den Fans, winkte, applaudierte – ein Bild des Stillhaltens. Innen tobt ein Machtkampf, außen lächelt man sich tot. Die Spieler sollen sich „nicht ablenken lassen“, hieß es intern. Doch wie abschirmen, wenn der eigene Trainer laut BILD bereits nach Ersatz gesucht wird?

Am ende zählt nur der sieg
Gewinnt Jena, bleibt der Druck. Verliert Jena, wird der Druck zum Kessel. Die Regionalliga Nordost ist dieses Jahr so eng wie ein Strick: Drei Teams trennen kaum mehr als ein unrundes Dutzend Punkte. Und mitten drin ein Verein, der lieber über Morgen redet als über heute.
Wenn am 23. Mai der Pokal vergeben ist, könnte Uluc den Platz verlassen – ohne Pokal, ohne Aufstieg, aber mit dem Trostpreis eines halben Jahres Gehalt. Für Jena bleibt die Erkenntnis: Wer nicht weiß, wohin er will, findet den Weg, indem er den Trainer austauscht. Ob das reicht, um Leipzig noch zu schlagen? Die Antwort steht nicht im Vertrag, sondern in den Köpfen. Und die sind gerade woanders.
