Uluc raus, pokalfinale hin: jenas heimlicher machtkampf vor zwickau

Die Mannschaft von Carl Zeiss Jena soll sich auf Zwickau einstellen, doch die Köpfe sind woanders. Kurz vor dem Nachholspiel sickerte durch: Trainer Volkan Uluc und der Klub wollen sich nach dem Landespokalfinale trennen – ein halbes Jahr vor Vertragsende.

Warum der bruch jetzt öffentlich wird

Uluc favorisiert laut Insidern einen schnellen Aufstiegskurs mit verstärkten Neuzugängen. Die Vereinsspitze setzt auf Etatkontrolle und Eigengewächse. Diese Differenz war zwar schon länger bekannt, doch die gezielte Indiskretion zum Saisonendspurt wirkt wie ein gezielter Sabotageversuch. Die Spieler erfuhren es aus Medien, nicht aus dem Mannschaftschat.

Die Folge: Stimmung wie in einem Kühllastwagen. Beim Training am Dienstag hielten sich Gespräche auf ein Minimum, Uluc strich zwei Einheiten kurzfristig. „Wir sprechen offen und vertrauensvoll“, hieß es seitens des Klubs. Offenbar so offen, dass nicht einmal die Beteiligten Bescheid wissen.

Was das finale gegen meuselwitz bedeutet

Was das finale gegen meuselwitz bedeutet

Am 23. Mai steht Carl Zeiss im Landespokal-Endspiel. Gewinnt Jena, rückt die mögliche Trennung in weite Ferne – schließlich winkt mit dem Pokalsieg ein Präsentationstermin gegen Bundesliga-Vertreter. Verliert man, dürfte Uluc vor leeren Rängen seine vorläufig letzte Partie leiten. Die Quadratur des Kreises: Genau dieses Risiko wollte die Geschäftsführung vermeiden, indem sie die Personalie vorverlegt.

Im Tabellenkalkulator sieht die Lage paradox aus. Jena ist Dritter, nur zehn Punkte hinter Spitzenreiter Lok Leipzig, und hat das Spitzenspiel gegen Zwickau noch in der Hinterhand. Statistisch lebt die Drittliga-Chance, psychologisch wirkt sie bereits beerdigt.

Uluc selbst schwieg sich vor der Partie gegen Zwickau komplett aus. Kein Statement, keine Trainingseinblicke, nur ein kurzer Handschlag mit dem Co-Trainer. Für einen Coach, der seine Mannschaft sonst lauthals durch den Ernstfall peitscht, wirkte es wie ein stiller Abschied. Die Fans reagierten mit gemischten Pfiffen – manche danken ihm für die Pokal-Comebacks, andere mobben ihn als „Lotterie-Coach“, der die Konstanz vermissen lässt.

Warum der verein jetzt nicht zurückrudern kann

Warum der verein jetzt nicht zurückrudern kann

Ein Rückzieher käme einer Blamage gleich. Die Vereinsbosse haben intern bereits Nachfolge-Kurzlisten kursieren lassen, darunter Namen wie Christian Fröhlich und Daniel Berlinski. Beide stehen für den konservativen Kurs, den Jena einschlagen will. Uluc hingegen hätte wohl nach dem Aufstieg die Lizenz zum Geldverbrennen erhalten – ein Szenario, das die Aufsichtsräte für zu riskant halten.

Zeitdruck ist Programm: Nach dem Zwickau-Spiel folgen noch sechs Liga-Partien, dann das Pokalfinale. Uluc muss seine Spieler nun mit dem Rucksack „Auslaufmodell“ motivieren. Die Causa erinnert an den Abgang von Markus Unger 2019, als Jena kurz vor dem Finale ebenfalls die Trennung bekannt gab – und danach unterging.

Die Tabelle lügt nicht, aber sie schweigt über Brüche. Ulucs Bilanz seit seiner Rückkehr: zwölf Siege, fünf Remis, vier Niederlagen. Solide, nicht spektakulär. Genau das reicht in der Regionalliga Nordost aber oft nicht, wenn der Blick schon Richtung Probebahndamm geht.

Fazit: Jena spielt heute gegen Zwickau, doch die echte Partie findet im Vorstand statt. Uluc steht mit dem Rücken zur Wand, die Mannschaft mit dem Gesicht zur Wand. Wenn das Pokalfinale tatsächlich seine letzte Instanz wird, endet seine zweite Jena-Ära genauso abrupt wie die erste – nur diesmal mit dem Beigeschmack, dass der Klub die Entscheidung dem Gegner vorwarf. 23. Mai, Stadion der Freundschaft: Uluc gegen Meuselwitz, Jena gegen sich selbst.