Ulreich zurück im fokus: bayern-krise wird seine bühne

Sven Ulreich spült das Schicksal zurück ins Scheinwerferlicht. Nach 18 Monaten im Schatten von Manuel Neuer und Jonas Urbig soll der 37-Jährige am Samstag in Leverkusen das Tor der Bayern hüten – eine Notlösung, die womöglich die ganze Saison überdauert.

Die zahlen, die ulreichs chance erzwingen

Neuer: Muskelfaserriss, Ausfall offen. Urbig: Gehirnerschütterung, Rückkehr ungewiss. Zeitfenster: bis zur Länderspielpause drei Pflichtspiele in acht Tagen. Für Ulreich bedeutet das 270 Minuten, die seine Karriere neu schreiben könnten – oder beenden.

Sein letztes Pflichtspiel datiert vom 21. September 2024, 5:0 in Bremen. Seitdem war er nur noch Ersatz, Statist, Seelenbalsam für den Klub, als im Juni 2024 sein Sohn Len starb. Der FC Bayern hielt die Familie in den Arm, verlängerte stillschweigend, stellte Weiterarbeit über Leistung. Jetzt fordert der Verein zurück, was er damals gab: Loyalität in Form von Paraden.

Die hinterbühne: ein trio, das plötzlich fehlt

Die hinterbühne: ein trio, das plötzlich fehlt

Hinter Ulreich stehen Leonard Prescott, 16, und Jannis Bärtl, 19 – beide ohne Minute in der Bundesliga. Vor ihm steht Vincent Kompany, der Trainer, der in dieser Woche drei Mal „Robustheit“ forderte und zweimal „Erfahrung“ murmelte. Gemeint ist Ulreich, der einzige Profi im Kader, der 2013 schon Champions-League-Luft schnupperte, als Kompany noch selbst spielte.

Die sportliche Leitung prüft laut kicker eine Verlängerung bis 2026, unabhängig von Neuers Entscheidung. Soll der Kapitän nicht weiterziehen, wäre Urbig designierter Neueinser – aber nur gesund. Ulreich bliebe dann Nummer zwei statt drei, mit Gehaltssprung und Mentorenrolle. Die Alternative: Rückkehr von Alexander Nübel oder Daniel Peretz, doch beide sollen verkauft werden, um Millonen für neue Feldspieler freizumachen.

Leverkusen als schicksalsspiel

Leverkusen als schicksalsspiel

Gegen Xabi Alonsos Team wird Ulreich zum ersten Mal seit 536 Tagen hinter einer Bundesliga-Abwehr stehen, die ihn zuletzt 2022 für unverzichtbar hielt, als Neuer sich den Beinbruch zuzog und Ulreich in 17 Partien 13 Siege holte. Die Quote war besser als die des Weltmeisters. Die Frage ist nicht, ob er parieren kann – sondern, ob er noch will. Nach dem Tod seines Sohnes sagte er, Fußball sei „Nebensache“. Jetzt wird er zum Hauptdarsteller erklärt.

Am Mittwoch folgt Atalanta, am Samstag darauf Union Berlin. Drei Spiele, die über die Saison, über Urbigs Gesundheit, über Neuers Zukunft und damit auch über Ulreichs Lebensplan entscheiden. Wenn er sie übersteht, steht der loyalste Torwart der Liga vor der paradoxen Karrierekurve: vom Familienfriedhof zurück ins Champions-League-Achtelfinale – und vielleicht ins neue Bayern-Konzept.

Die Kurve ist steil, das Netz hängt 7,32 Meter breit. Ulreich kennt die Maße. Ob die Bayern sie noch kennen, wird sich zeigen.