Ulreich rettet bayern mit letztem reflex – und macht sich selbst ein geschenk
37 Jahre alt, 14 Monate ohne Pflichtspiel, und dann so eine Parade: Sven Ulreich entschärfte in der 97. Minute den Siegball von Ibrahim Maza, verhinderte die zweite Niederlage in Serie – und schlug sich selbst eine Bresche für ein weiteres Jahr im Profigeschäft.
Der moment, der alles auf den kopf stellt
Bayern stand in Leverkusen mit zwei Mann weniger da, die Führung war längst verpufft, als Maza aus 13 Metern vollstreckte. Ulreich war unten, noch bevor der Schuss die Linie kreuzen konnte – ein Reflex, der in den Video-Räumen der Rekordmeister längst auf Endlosschleife läuft. „Ich hab nur gedacht: Nicht rein, koste es, was es wolle“, sagte er nach Abpfiff mit roten Wangen und einer Stimme, die erstickte. Der Punktgewinn war in dieser Phase der Saison mehr wert als drei Punkte; er war ein Stimmungsbild gegen die Krise.
Die Szene hatte noch einen Nebenschauplatz: Ulreich zog sich beim letzten Abstoß eine Oberschenkelzerrung zu. Er hob die Hand, konnte den Ball nicht mehr schlagen, blieb trotzdem stehen – ein Symbolbild seiner Karriere. „Ich war immer die Nummer zwei, aber ich bin nie weggelaufen“, sagte er. Trainer Vincent Kompany umarmte ihn so fest, dass die Kappe vom Kopf fiel. Max Eberl sprach von „Bayern-DNA in Reinform“. Josip Stanišić, selbst Leihgabe und Ersatzmann, schwärmte: „Ulle ist der Typ, der seine Klasse nicht brüllt, sondern sie einfach lebt.“

Zwischen neuer, urbig und der eigenen uhr
Manuel Neuer und Jonas Urbig schickten vor Anpfiff Bilder ihrer Torhütermasken mit der Aufschrift „Für Ulle“. Nun liegt die Frage im Raum, ob der Altmeister am Mittwoch in Bergamo erneut zwischen die Pfosten darf. Urbig macht nach Kreuzbandriss Fortschritte, Neuer laboriert an einer Schulter. Die medizinische Abteilung wird bis Dienstag Nacht entscheiden. Ulreich selbst gibt sich gelassen: „Wenn mein Bein mitspielt, bin ich bereit. Wenn nicht, bin ich trotzdem da.“
Vertraglich läuft seine Zeit im Juni aus, doch die Führung hat schon signalisiert, dass man die Option ziehen will. Ulreich will sich nicht festlegen, aber er lächelt, wenn er an die Nordkurve denkt, die sein Namenslied androhte zu ersticken, als er den Ball wegfaustete. „Solche Abende machen süchtig“, sagt er. Und süchtig sein, das darf man in München auch mit 38 noch werden.
