Ulbricht räumt die kristallkugel ab – nach sturz und tränen der olympische alptraum vergessen
21 Jahre, einmal gestürzt, einmal im Ziel: Leon Ulbricht ist Snowboard-Weltcup-Gesamtsieger. Der Lörracher raste in Mont-Sainte-Anne auf Rang zwei und schob sich mit 435 Punkten genau 22 Zähler vor Adam Lambert und 52 vor Aidan Chollet. Die Saison, die in Cortina mit einem heftigen Crash endete, findet ihr Happy End in Kanada.
Chollet fliegt raus, lambert gewinnt – ulbricht rechnet ab
Die Rechnung war simpel: Wer vorne landet, trägt die Kugel nach Hause. Ulbricht startete mit einem Punkt Vorsprung, doch Chollet – sein Angstgegner – patzte im Viertelfinale, rutschte aus und flog aus der Kurve. Plötzlich lag die Macht beim Deutschen. Im Halbfinale kam er selbst ins Wanken, spurtete aber mit einem riskanten Slidersprung ins Ziel – Fotofinish, 0,03 Sekunden Vorsprung. „Ich hab nur noch gebrüllt, alles ausgesteuert“, sagt er später, „mein Physio dachte, ich hätte mir das Kreuz gebrochen.“
Im Finale reichte Rang zwei hinter Tagessieger Lambert. Die 18 Punkte dafür waren sein Todesstoss für die Konkurrenz. Die Kristallkugel, die seit Nörls Double 2023 verstaubte, wandert zurück nach Baden-Württemberg. 435 Punkte stehen am Ende – mehr hatte noch nie ein Snowboardcrosser aus Deutschland auf dem Konto.

Vom olympia-outsider zum rekordmann in 43 tagen
43 Tage liegt Cortina zurück. Dort rutschte Ulbricht in der Quali weg, knallte gegen Nörl, beide flogen auf die Netze. Tränen, Schmerz, Frust. „Ich hab gedacht, meine Karriere ist gerade im Schnee versunken“, sagt er. Was folgte, war eine Siegesserie: vier Podestplätze in fünf Rennen, 250 Punkte aus dem Nichts. „Ich bin kein Phasenreiter, ich bin ein Finisher“, sagt er und grinst verschmitzt. Der Sportsoldat, der für den SC Rötteln startet, fuhr mit einer gebrochenen Rippe durch Nordamerika – keiner wusste es.
Nun steht er in Mont-Sainte-Anne, trägt das gelbe Trikot, das ihm vorher „nix gebracht“ hatte. Die Kugel passt kaum in seinen Rucksack. „Ich flieg morgen nach Hause, First-Class-Upgrade hab ich mir gegönnt. Die Kugel kriegt ihr eigenes Sitzkissen“, scherzt er. Und dann wird gefeiert – in Lörrach, in der Kaserne, vermutlich bis nach München. Die Saison ist vorbei, der Mythos beginnt.
