Turnskandal: janine berger verliert den glauben an interne reformen
Turnskandal: janine berger verliert den glauben an interne reformen
Im Missbrauchsskandal im deutschen Turnsport sieht die ehemalige Turnerin Janine Berger keine Anzeichen für Veränderungen innerhalb des Deutschen Turner-Bundes (DTB). Sie setzt ihre Hoffnung nun allein auf die Justiz. Die Frustration unter den Betroffenen ist groß, wie sie gegenüber der “Augsburger Allgemeinen” äußerte. Der interne Reformprozess des DTB scheint für Berger ins Stocken geraten zu sein.
Keine hoffnung auf interne aufklärung
“Intern wird da nichts passieren”, so die klare Aussage der 29-jährigen Berger. Sie ist überzeugt, dass nur ein externes Eingreifen der Staatsanwaltschaft zu wirklichen Veränderungen führen kann. “Wenn Veränderungen eintreten sollen, dann muss das extern passieren. Ich setze und hoffe auf die Staatsanwaltschaft und dass es durch deren Ermittlungen gezwungenermaßen zu Veränderungen kommen muss”, erklärte sie. Das Vertrauen in die Eigenverantwortung des DTB ist offensichtlich erschüttert.

Kritik an dtb-präsident hölzl
Berger übt scharfe Kritik an DTB-Präsident Alfons Hölzl. Die juristische Überprüfung, die ergeben hatte, dass Hölzl und Sportvorstand Thomas Gutekunst kein strafbares Fehlverhalten begangen hätten, lässt sie ungläubig zurück. “Das zeigt für mich, dass er immer noch nicht, auch nur ansatzweise, reflektiert hat, was da passiert ist. Was, wenn nicht ein Ermittlungsverfahren, wäre denn für ihn überhaupt ein Anlass, zurückzutreten?”, fragte sie.

Ermittlungen gegen neun funktionäre
Die Staatsanwaltschaft ermittelt derzeit gegen insgesamt neun aktuelle und ehemalige Funktionäre, darunter Hölzl und Gutekunst. Die Ermittlungen beziehen sich auf den Verdacht der – teils versuchten – vorsätzlichen Körperverletzung und der Nötigung in mehreren Fällen durch Unterlassen. Diese Entwicklung gibt Berger zumindest einen Hoffnungsschimmer auf Aufklärung und Gerechtigkeit.
Aufprall der vorwürfe im dezember 2024
Die öffentlichen Vorwürfe der Turnerinnen Ende Dezember 2024, die systematischen körperlichen und mentalen Missbrauch sowie katastrophale Zustände am Kunst-Turn-Forum in Stuttgart und im Bundesstützpunkt Mannheim anprangerten, hatten den Skandal erst richtig ins Rollen gebracht. Berger selbst gehörte zu den Sportlerinnen, die mutig das System kritisierten und ihre Erfahrungen öffentlich machten.

Von trainern entbundene trainer
Als erste Konsequenz hatte der DTB Trainer von ihren Aufgaben entbunden. Doch Berger sieht dies als unzureichende Maßnahme. Sie fordert eine umfassende Aufarbeitung der Vorwürfe und eine tiefgreifende Reform der Strukturen innerhalb des DTB, um zukünftige Missstände zu verhindern. Die Entbindung von Trainern allein löst das Problem nicht.

Die frustration der betroffenen
Die Enttäuschung der Betroffenen ist groß. Viele fühlen sich von den Verbänden im Stich gelassen und haben den Eindruck, dass der Schutz der Täter Vorrang vor dem Schutz der Opfer hat. Berger spricht von einer “ernüchternden” Situation, in der die Zeit den Tätern in die Karten spielt. Die Hoffnung auf eine schnelle und gerechte Aufarbeitung schwindet.
