Turnen: ermittlungen gegen ex-dtb-generalsekretärin wegen missbrauchsverdachts
Ermittlungen weiten sich aus: auch michaela röhrbein betroffen
Die Staatsanwaltschaft Stuttgart ermittelt im Zusammenhang mit den Vorwürfen des Machtmissbrauchs am Bundesstützpunkt Turnen nun auch gegen Michaela Röhrbein, aktuelles Mitglied im Vorstand des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB). Die Ermittlungen beziehen sich auf ihre Zeit als Generalsekretärin des Deutschen Turnerbundes (DTB).

Röhrbein weist vorwürfe zurück
Röhrbein erklärte gegenüber dem Deutschlandfunk, dass ihr der Vorwurf des Unterlassens gemacht werde. Sie wies diese Anschuldigungen entschieden zurück und betonte, dass sie stets für den Schutz der Athleten eingetreten sei. Sie bezeichnete den Vorwurf als “unhaltbar” und im Widerspruch zu ihren ethischen Grundsätzen.

“Leistung mit respekt” – ein projekt unter beschuss
Während ihrer Amtszeit beim DTB hatte Röhrbein das Projekt “Leistung mit Respekt” ins Leben gerufen, das einen Kulturwandel im Turnsport anstoßen sollte. Die aktuellen Ermittlungen werfen nun einen Schatten auf diese Initiative und stellen deren Wirksamkeit in Frage. Die Vorwürfe der Athletinnen hatten bereits zu einer Debatte über die Zustände im deutschen Turnen geführt.

14 Personen unter verdacht
Insgesamt ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen 14 Personen im Zusammenhang mit den Missbrauchsvorwürfen. Neben Trainerinnen und Trainern sind auch aktuelle und ehemalige Führungskräfte des DTB und des schwäbischen Turnerbundes betroffen. Die Ermittlungen sollen Licht in die Vorfälle werfen und mögliche Verantwortlichkeiten klären.

Dosb verweist auf unschuldsvermutung
Der DOSB betonte, dass für Röhrbein die Unschuldsvermutung gilt. Die Vorwürfe würden mehrere Jahre zurückliegen und stünden in keinem Zusammenhang mit ihrer Tätigkeit beim DOSB. Dennoch werde man die Entwicklung der Ermittlungen aufmerksam verfolgen und gegebenenfalls Maßnahmen ergreifen.

Safe sport code und schutz vor gewalt
Röhrbein hat sich in ihrer Rolle im DOSB maßgeblich für den “Safe Sport Code” eingesetzt, ein Regelwerk, das Verbände befähigt, auch Verstöße unterhalb der Strafrechtsschwelle zu sanktionieren. Dieser Code soll dazu beitragen, ein sicheres Umfeld für Athleten zu schaffen und Missbrauchsfälle zu verhindern. Die aktuellen Ermittlungen unterstreichen jedoch die Notwendigkeit weiterer Anstrengungen in diesem Bereich.

Auswirkungen auf den deutschen turnsport
Die Ermittlungen haben bereits jetzt erhebliche Auswirkungen auf den deutschen Turnsport. Sie belasten das Image des Sports und werfen Fragen nach der Führung und den Strukturen auf. Eine umfassende Aufarbeitung der Vorwürfe ist notwendig, um das Vertrauen der Athleten und der Öffentlichkeit wiederzugewinnen. Der DTB steht vor einer großen Herausforderung.
