Tuchel-deal: so spürte der dfb den coup!

München – Der englische Fußball staunt, und wir auch. Wie kam es überhaupt dazu, dass Thomas Tuchel nun die Nationalmannschaft coacht? Ein exklusiver Bericht des Guardian, der sich auf Auszüge aus dem Buch „Inside England“ von Rob Draper und Jonathan Northcroft stützt, enthüllt einen überraschenden und detailreichen Auswahlprozess der Football Association (FA). Es geht um ein geheimes Treffen, Datenanalysen und eine Leidenschaft, die den Ausschlag gab.

Die powerpoint-präsentation, die alles veränderte

Mark Bullingham, Geschäftsführer der FA, schwärmt von dem Treffen mit Tuchel im Jahr 2024. „Ich denke, man kann mit Sicherheit sagen, dass Thomas uns umgehauen hat“, so Bullingham. Was Tuchel präsentierte, ging weit über eine bloße Vorstellung hinaus. Es war eine durchdachte Strategie, wie England den nächsten Stern auf das Trikot bringen kann – mit einem Plan, der bis auf den Tag im St. George’s Park detailliert war. Die Inszenierung war dabei ebenso beeindruckend wie der Inhalt: Ein privat angemieteter Raum, verschiedene Flüge, um keine Aufmerksamkeit zu erregen – alles deutete darauf hin, dass die FA hier ernst machte.

Die Leidenschaft des Trainers war es aber letztendlich, die Bullingham und sein Team überzeugte. „Es war nicht nur die Präsentation und die Dias, sondern auch die Leidenschaft und Eloquenz, mit der er präsentierte. Es war brillant.“

Datenanalyse und die „super-elite“

Datenanalyse und die „super-elite“

Doch bevor Tuchel überhaupt ins Spiel kam, durchlief die FA einen rigorosen Auswahlprozess. Zwei externe Datenunternehmen wurden beauftragt, ein Profil erfolgreicher internationaler Trainer zu erstellen und dieses an die englische Spielerbasis anzupassen. Die daraus resultierende Shortlist der 50 besten Trainer der Welt erwies sich als „unglaublich wertvoll“, wie Bullingham betont. Die Daten zeigten drei Kategorien auf: Trainer mit großem Potenzial, „Elite“-Trainer mit bereits nachgewiesenen Erfolgen und die absolute „Super-Elite“. Tuchel reihte sich in letztere ein, unter anderem aufgrund seiner Champions-League-Erfolge mit Chelsea.

Die FA kontaktierte Tuchel dem Bericht zufolge als letzten der fünf Trainer dieser Kategorie. John McDermott, der technische Direktor, war beeindruckt: „Er gibt Wärme und Anschaulichkeit. Er liebte Fußball, er liebte englischen Fußball. Er hat mir eine Million Fragen gestellt.“

Ein holpriger start und eine vorzeitige verlängerung

Ein holpriger start und eine vorzeitige verlängerung

Trotz der anfänglichen Euphorie verlief Tuchels Amtszeit bei der englischen Nationalmannschaft nicht ohne Stolpersteine. Die Ergebnisse stimmten zwar, doch die Spielweise begeisterte nicht immer die Fans, die teilweise Buhrufe von den Rängen schickten. Dennoch ist die Bilanz des Trainers mit neun Siegen in zwölf Spielen beeindruckend genug, um die FA zu einer vorzeitigen Vertragsverlängerung bis zur EM 2028 zu bewegen. Ein klares Zeichen dafür, dass die englischen Entscheidungsträger trotz anfänglicher Kritik an Tuchels Ansatz fest an ihn glauben – und die Daten, die den Coup überhaupt erst ermöglichten, nicht vergessen haben.

Die Geschichte zeigt: Manchmal braucht es mehr als nur Talent und Erfahrung, um einen Nationaltrainer zu finden. Manchmal braucht es eine PowerPoint-Präsentation, die überzeugt, eine Leidenschaft, die ansteckt, und eine gehörige Portion Datenanalyse, um den richtigen Mann für den Job zu finden. Und im Fall von Thomas Tuchel scheint die FA genau das gefunden zu haben.