Tragödie im giro: wie ein „fuß am boden“ zur stiftung wurde
Der Giro d'Italia 2016: Ein Moment der Hilfsbereitschaft, ein tragischer Unfall, eine Stiftung, die nun das Erbe eines außergewöhnlichen Radfahrers fortführt. Michele Scarponi, dessen Karriere von unbändigem Kampfgeist und Loyalität geprägt war, verstarb 2017 bei einem tragischen Unfall. Ein Blick zurück auf die Ereignisse, die zu dieser Stiftung führten und wie ein einfacher „Fuß am Boden“ zu einem Symbol der Hoffnung wurde.

Die gazzetta und das gespräch zwischen nibali und scarponi
Es war eine Szene, die fast unbemerkt blieb, doch sie birgt eine tiefe Bedeutung. Vincenzo Nibali, damals ein Star des Giro, überreichte Michele Scarponi eine Gazzetta dello Sport, ohne ein Wort zu sagen. Auf der Titelseite stand die Ungeduld von Kruijswijk, der sich den Gewinn des Giro bereits vorstellte, obwohl noch zwei entscheidende Etappen bevorstanden – die schreckliche Kletterpartie zum Colle dell’Agnello und die anspruchsvollen Anstiege zum Col de Vars, Bonette, Lombarda und schließlich Sant’Anna. Scarponi, der die Taktik seines Teams genau studierte, erinnerte sich an die Worte seines Teamkollegen, die ihm in den letzten Nächten vor dem Rennen noch in den Schlaf gegangen waren: „Es gibt noch so viele Anstiege, Vince.“
Nibali spürte eine neue Art von Neugier. Kruijswijks Ungeduld beflügelte ihn, er sehnte sich danach, die 2000-Meter-Marke zu überwinden, wo der Radsport zu einer anderen Disziplin wird, einer für wenige Auserwählte. Scarponi, der Kaffee trank und die detaillierten Profile der Etappen studierte, erkannte die Bedeutung dieser letzten Tage. Der Colle dell’Agnello: 21,3 Kilometer Anstieg, maximale Steigung von 15%, eine Durchschnittliche Steigung von fast 7%, ein Höhenunterschied von 1.452 Metern – ein wahrer Albtraum für die Beine. Alejandro Valverde, damals Dritter, räumte in einem Interview mit der Gazzetta ein: „Der Giro ist noch nicht entschieden, alles kann sich in den ersten Fünf ändern.“ Scarponi wusste, dass sein Kapitän in diesen entscheidenden Etappen sein volles Potenzial entfalten würde.
Die Tragödie und die Geburt der Stiftung
Doch das Schicksal nahm eine grausame Wendung. Am 22. April 2017 wurde Michele Scarponi bei einem Trainingsunfall tödlich verletzt. Ein Lastwagenfahrer erfasste ihn, als er mit seinem Mountainbike nahe seiner Heimat fuhr. Die Radsportwelt stand still. Der Verlust eines Kämpfers, eines Freundes, eines Vorbilds war unerträglich. Aus der Trauer heraus entstand die „Fondazione Scarponi“, eine Stiftung, die sich der Förderung des Radsports und der Unterstützung junger Talente widmet. Der „Fuß am Boden“, das Bild von Nibalis Hilfsbereitschaft, wurde zum Logo der Stiftung – ein Symbol für Solidarität, Teamgeist und die unbändige Leidenschaft für den Radsport.
Die Stiftung setzt sich für die Sicherheit von Radfahrern ein und unterstützt Projekte, die den Radsport in der Region fördern. Sie ist ein lebendiges Denkmal für Michele Scarponi, der mit seinem unermüdlichen Einsatz und seiner positiven Ausstrahlung die Herzen vieler Menschen berührt hat. Sein Vermächtnis lebt weiter – in den jungen Talenten, die durch die Stiftung gefördert werden, und in der Erinnerung an einen Radfahrer, der stets für seine Teamkollegen da war.
