Torrez jr. fordert sánchez heraus: kann der balletttänzer die elite stürmen?

Die schwere Gewichtsklasse in den USA sucht einen neuen Star, seit Deontay Wilder seinen Thron verlassen hat. Während viele Hoffnungen an Jared Anderson entfielen, offenbarte Bakoles Sieg eine Schwäche. Doch nun könnte Richard Torrez Jr. die Antwort sein – ein Boxer mit ungewöhnlicher Vergangenheit und beeindruckender Zukunft.

Der gentleman boxer mit tanzschuhen

Der gentleman boxer mit tanzschuhen

Es ist eine Geschichte, die man kaum glauben kann: Richard Torrez Jr., ein Mann mit mexikanischen Wurzeln, der in Kalifornien geboren wurde, ist nicht nur ein talentierter Boxer, sondern auch ein ehemaliger Balletttänzer. Nach dem Gewinn der Silbermedaille bei den Olympischen Spielen in Tokio 2021, wo er knapp gegen den dominanten Jalolov verlor, sorgte Torrez mit seinem aggressiven und ästhetischen Stil für Aufsehen. Seine ständigen Täuschungen und sein Spiel mit der Distanz machen ihn zu einem faszinierenden Gegner.

Seine Größe von 1,88 Metern ist für die schwere Gewichtsklasse nicht unbedingt außergewöhnlich, aber seine Technik und sein Fußspiel, das er dem Ballett zu verdanken sagt, sind es durchaus. Der Einfluss des Balletts auf sein Boxen ist offensichtlich: „Ich fühlte mich anfangs völlig fehl am Platz“, gestand Torrez, „aber alle waren sehr freundlich und verständnisvoll. Danach habe ich Stepptanz, Jazz und zeitgenössischen Tanz gemacht. Ich glaube, es hat mir sehr geholfen, mein Fußspiel im Boxen zu verbessern.“

Seine Vielseitigkeit geht jedoch noch weiter. Torrez, der von Lehrern stammt und stets Klassenbester war, entdeckte seine schauspielerische Begabung in der Rolle des Gastons in einer Produktion von „Die Schöne und das Biest“. Und auch im Schachspiel findet er Parallelen zum Boxen: „Im Schach denkt man drei Züge voraus. Das Gleiche gilt im Boxen. Man muss sowohl im Angriff als auch in der Verteidigung aufmerksam sein.“

Seine Familie ist tief in der Boxwelt verwurzelt: Sein Großvater, Manuel Torrez, war ein Champion der Southwest United States Golden Gloves, und sein Vater, Richard Torrez Sr., ist ein ehemaliger Amateurboxer und Trainer. Torrez Jr. selbst zitiert gerne den Satz von Gandhi: „Lebe, als würdest du heute sterben, lerne, als würdest du ewig leben.“

Diese Woche könnte sich für Torrez Jr. alles ändern. Er trifft im Rahmen einer Veranstaltung vor den Pyramiden von Giza auf den erfahrenen Kubaner Frank Sánchez (25-1, 18 KOs). Sánchez, der von vielen gemieden wurde, hat bisher nur eine Niederlage kassiert – einen Knockout gegen Agit Kabayel. Ein Sieg gegen Sánchez würde Torrez Jr. einen enormen Schub in seiner Karriere verleihen und ihn endgültig in den Kreis der Top-Anwärter auf den Titel hieven.

Mit einem beeindruckenden Rekord von 14-0 und 12 K.O.s hat Torrez Jr. bereits bewiesen, dass er über das Potenzial verfügt, die schwere Gewichtsklasse zu erobern. Sein Eloquenz und seine ungewöhnliche Persönlichkeit machen ihn zu einem Publikumsliebling. Die Frage ist nicht, ob er es schaffen wird, sondern wann.