Thw kiel patzt erneut – champions-league-traum zerbricht in kassel
Die Länderspielpause hätte das Umschwenken bringen sollen. Stattdessen schlägt der THW Kiel beim 29:30 in Kassel dieselbe Kerbe wie zuvor: viel Druck, wenig Durchschlag, am Ende Frust statt Punkte. Die dritte Pleite in vier Spielen – und die Top-3-Zone rückt in weite Ferne.
Veron nacinovic fällt mit nasenbeinbruch aus
Schon früh droht der Abend zum Horrorfilm zu werden. Nach zwölf Minuten kassiert Veron Nacinovic einen Ellbogen, bricht sich höchstwahrscheinlich die Nase und muss mit blutender Maske in die Kabine. Der kroatische Rechtsaußen fehlt fortan – und mit ihm Tempo und Tiefe im Angriff der „Zebras“.
Die Folge: Kiel verliert den Faden. Nach einer guten Anfangsphase versackt das Kollektiv in schläfrigen Kreisbewegungen, Gonzalo Perez de Vargas stemmt sich zwar mit 13 Paraden gegen das Unvermeidliche, doch vor ihm passiert zu wenig. 14:15 zur Pause, 23:28 zehn Minuten vor dem Ende – da ist die Partie längst gelaufen.
Doch der THW wirft noch einmal alles in die Waagschale. Filip Jicha schreit sich während der Auszeit die Seele aus dem Leib, sein Team antwortet mit einem 5:0-Lauf. Bence Imre trifft zum 29:29, die Halle schweigt, Kiel glaubt an das Happy End. Sekunden später prügelt Timo Kastening die Kugel an die Latte – die MT erhält die Armlänge Vorsprung zurück und nutzt die letzte Ruhepause eiskalt.

Sg flensburg zieht davon – 5 punkte vorsprung
Während die Kieler sich selbst verfluchen, profitiert der ewige Rivale aus dem hohen Norden. SG Flensburg-Handewitt schlägt Minden 35:31 und schiebt sich vorübergehend auf Rang zwei – fünf Zähler vor Kiel. Für die Zebras wird es eng: Nur sieben Spieltage, eine Lücke, die größer aussieht als je zuvor.
Nikola Bylik atmet nach dem Schlusspfiff tief durch. „Wir haben uns auf gut Deutsch nochmal den Arsch aufgerissen, aber das reicht nicht“, sagt der Routinier. „Wir zeigen Weltklasse, fehlt aber die Konstanz – und genau die braucht man, wenn man international will.“ Ob es überhaupt noch für die Champions League reicht, winkt der Däne ab: „Darüber reden wir nicht. Erstmal müssen wir anfangen, Spiele zu gewinnen.“
Die Saison wird zur Geduldsprobe. Die Fans fordern Antworten, die Spieler liefern nur Fragezeichen. Und die Uhr tickt – laut.
