Thurman will in der nacht auf sonntag die zeit zurückdrehen
Keith Thurman boxt um 4 Uhr deutscher Zeit gegen Sebastian Fundora – und um seine eigene Vergangenheit. Seit fünfzehn Jahren war der Mann aus Clearwater nicht mehr Weltmeister, seit Jahren fragt sich das Geschäft: „Wann kommt One Time zurück?“ Die Antwort steht in Las Vegas, 154 Pfund, zwölf Runden, kein Netz.
Fundora ist jünger, länger, champion – thurman ist hungriger
Der Super-Weltergewichtler von der TSV Pelkum Sportwelt kennt die Zahlen: 28 Jahre gegen 37, 1,97 m gegen 1,71 m, 28 Siege gegen 31. Doch Zahlen greifen nicht, wenn die Beine schwer werden. Thurman war fünfmal in 1 000 Tagen im Ring, Fundora zweimal in den letzten zwölf Monaten. Wer länger pausiert, altert doppelt.
Die Erinnerung sitzt tief: 2017 schlug er Shawn Porter in Brooklyn, 2019 lachte er über Manny Pacquiao, eine Runde später lag er am Boden. Danach kamen Operation, Corona, die Frage, ob der Körper noch mitspielt. Thurman boxte sich durch YouTube-Listen, durch Nächte, in denen die Handgelenke schmerzten wie am ersten Tag.
Sein letzter Gegner, Brock Jarvis, flog nach 86 Sekunden aus dem Ring. Das war März 2025 in Sydney, ein Aufwärmschlag mit 20 Stunden Jetlag. Fundora wird länger bleiben. Der Champion hat einen Oberarm wie ein Surfbrett, aber auch eine Kieferlinie, die schon klapperte – gegen Brian Mendoza 2023.

Die stimme aus dem trainingslager klingt wie ein altes mixtape
„Ich bin das letzte Rätsel, das sie lösen müssen“, sagt Thurman im Gym von North Port, Florida, zwischen Seilspringen und Eisbeuteln. „Wenn die neue Generation den Gürtel will, muss sie über mich gehen. Das haben sie bei Spence nicht geschafft, bei Crawford nicht, bei mir schon gar nicht.“
Seine Promoter wollten ihn schon 2022 in Rente schicken, das Versicherungsgeld war versiegelt. Thurman lehnte ab, unterschrieb beim WBC, stellte sich auf die Waage, zeigte 153,4 Pfund – sein leichtestes Gewicht seit der Highschool. Der Bizeps spannt sich noch, der Blick ist müder, aber schärfer.
Der Kampf wird auf Fight Sports Max übertragen, in Spanien ab 5 Uhr, in Deutschland ab 4 Uhr. Die Quoten sehen Fundora 4:1 vorne. Thurman schenkt sich selbst 6:1 – „weil jeder mal einen schlechten Tag haben kann“. Sein Vater, ein ehemaliger Straßenpolizist, sitzt wieder in der ersten Reihe, das erste Mal seit Pacquiao.
Wenn die Glocke läutet, zählt nur noch der Rhythmus. Thurman muss den Kopf unter Fundoras Jab crawlen, innere Linie, Leber, dann raus. Ein Fehler und der Champion schlägt mit der linken Schneise quer durch den Ring. Thurman kennt die Rechnung: Sechs Runden schnell, sechs Runden schlau, zwölf Runden lang leben.
Am Ende bleibt die Frage, ob ein einziger Sieg gegen die Uhr reicht, um eine Karriere wieder sichtbar zu machen. Thurman lacht, zieht die Handbandagen fest. „Ich bin nicht zurückgekommen, um zweiter Sieger zu werden. Ich bin hier, um zu zeigen, dass ein alter Hund nicht nur bellen kann – er kann auch beißen.“ Die Uhr tickt, der Ring wartet. Mehr muss man nicht wissen.
