Thuns serie reißt – lustrinelli findet trost in der kabine
13 Spiele lang spielte Thun die Super League wie ein Schachbrett, Zug um Zug. Dann kam Zürich und warf die Figuren um. 1:2. Erste Pleite seit Dezember. Trainer Mauro Lustrinelli betritt die Kabine, spürt die betäubte Stille – und lacht in Gedanken. „Diese Mannschaft ist das Verlieren nicht mehr gewohnt“, sagt er später. Für ihn klingt das wie ein Kompliment.
Der meistertitel bleibt trotzdem ein fakt
15 Punkte Vorsprung auf St. Gallen, sechs Runden noch. Selbst wenn Thun jetzt jedes Spiel verliert, winkt die grosse Schale. Die Rechnung ist so simpel wie schmerzlos. Darum kann sich Lustrinelli erlauben, die Niederlage als „Lehrstück“ zu feiern. „Wir haben zwei Standards verschlafen, mehr nicht. Das ist in der Retrospektive ein Schnäppchen für die Zukunft.“
Die Zukunft meint: Play-offs, Cup-Halbfinale, vielleicht Europa. Ein Team, das sieben Jahre nach dem Abstieg zurück auf die grosse Bühne will, braucht auch Erfahrungswerte mit Schmerz. Genau das lieferte Zürich. Bereits nach 20 Minuten hätte Thun die Partie entscheiden können, dohety und Rappenglänzten vor dem Tor wie angefroren. Statt 3:0 stand plötzlich 0:2. „So schnell kann Fussball sich rächen“, sagt Lustrinelli, „und so wertvoll kann eine Niederlage sein.“

Der kanton bern dominiert die runde trotzdem
Mit 64 Toren und nur 18 Gegentoren führt Thun nicht nur die Tabelle an, sondern auch die Statistik-Kategorien „Torschüsse“, „Balleroberungen im Mittelfeld“ und „Laufleistung pro Spiel“. Die Zahlen sind so laut, dass selbst das 1:2 in Zürich nur wie ein Flüstern klingt. Sportchef Fredy Bickel spricht von „kontrollierter Empörung“ – eine Phrase, die genau die Stimmung trifft: Man ist sauer, aber nicht verzweifelt.
Am Sonntag wartet bereits das nächste Lehrspiel: Cup-Viertelfinale in Basel. Lustrinelli will rotieren, drei Jungprofis erhalten Startelf-Einsätze. „Wir haben gelernt, dass es nicht reicht, dominant zu sein. Jetzt lernen wir, wie man mit Rückstand umgeht.“ Die Serie ist gerissen, die Mission nicht. Wer 13 Spiele lang nicht verliert, der kann auch eine Pleine verkraften – und danach wieder gewinnen. Die Kabine hat bereits neue Ziele an der Wand projiziert. Lustrinelli grinst: „Jetzt fangen wir die nächste Serie an.“
