Heidenheim dreht gegen bayer – der punkt, der wie ein sieg schmeckt

Der 1. FC Heidenheim kassiert drei Tore vom Champions-League-Gast, kassiert trotzdem kein K.O. – und feiert am Ende wie nach einem Finalsieg. Das 3:3 gegen Bayer Leverkusen ist kein Befreiungsschlag im Abstiegskampf, aber ein Lebenszeichen mit Promi-Sound.

Frank schmidt ballt die faust – und meint: „wir sind nicht untergegangen“

Der Trainer spricht von „pure Freude“, obwohl sein Club seit 14 Spielen ohne Sieg ist. Warum? Weil seine Mannschaft nach 0:2 und 1:3 zurückkam, weil Marvin Pieringer zweimal traf, weil Hennes Behrens seinen ersten Bundesliga-Treffer erzielte und weil die 21 000 im Voith-Arena-Fegefeuer kurz glaubten, der Abstieg sei doch noch abwendbar.

Die Zahlen bleiben hart: Neun Punkte Rückstand auf Rang 16, nur vier Spieltage bis zur Pause. Doch die Szene nach Abpfiff interessiert sich nicht für Mathematik. Spieler sinken auf die Knie, Schmidt wirbelt wie ein Kreisel, Leverkusens Xabi Alonso klatscht respektvoll ab. „Wir haben heute endlich mal gezeigt, warum wir überhaupt in dieser Liga spielen“, sagt Schmidt im SWR-Mikrofon, seine Stimme bricht.

Der junge von der tsg, der den fch wachrüttelte

Der junge von der tsg, der den fch wachrüttelte

Die Wende beginnt in Minute 56 mit Behrens, ausgeliehen von Hoffenheim, bislang nur Statistiker. Sein Linksschuss aus 18 Metern zischt ins rechte Eck, der Kurve entfällt das Herz. „Er kam schon in der 70. Minute zu mir und fragte, ob wir ihn rausnehmen“, erzählt Schmidt. „Ich habe Nein gesagt. Solche Jungs müssen lernen, dass Schmerz dazugehört.“

Zehn Minuten später fällt der Ausgleich, diesmal per Elfmeter. Pieringer läust sich nicht zweimal bitten. Als er erneut trifft – 85. Minute, 3:3 –, explodiert ein Stadion, das seit Wochen nur noch seufzte. Die Leverkusener, sonst so kühl, wirken kurz desorientiert. Patrik Schick trifft zwar auch noch einmal, doch sein zweiter Treffer rettet nur einen Punkt, kein Selbstvertrauen.

Punkte sind schön, der abstand bleibt gruselig

Punkte sind schön, der abstand bleibt gruselig

Am Sonntag kann St. Pauli siegen und die Lücke auf zwölf Zähler wachsen. Die Realität holt Heidenheim rasend zurück. „Wir wissen, wo wir stehen“, sagt Schmidt. „Aber wenn wir so weiterkämpfen, gibt es vielleicht doch ein Ostermärchen.“ Am 4. April geht’s nach Mönchengladbach, dort warten Franck Honorat und Jordan auf einen Gegner, der seit 14 Spielen nicht mehr gewann – und trotzdem plötzlich wieder glaubt.

Die Saison ist nicht gerettet. Aber in Heidenheim feiern sie heute nicht die Tabelle, sondern sich selbst. Manchmal reicht das, um nicht zu ertrinken.