Tejada zieht in apt den stecker – vingegaard lässt das gelb strahlen
Harold Tejada erlebte seinen Tag der Tage, als er 14 km vor Apt die Kette leerte und die Verfolger in einem endlosen Fahrstuhl stehen ließ. Der Kolumbianer von XDS Astana jagte die 179,3 km von Barbentane bis ins Luberon-Heu allein, schlug 6 Sekunden vor dem Franzosen Dorian Godon und dem Briten Lewis Askey an und schraubte sich auf die größte Bühne seiner Karriere.
Warum diese attacke perfekt inszeniert war
Die sechste Etappe galt als Vorspiel zur Schneekönigin – morgen geht’s auf den Mont Ventoux. Wer heute Kraft sparte, riskiert morgen den K.o. Tejada sparte nicht. Er fuhr, als hätte er den Ventoux schon im Rückspiegel, zog die Pace auf 48 km/h im Flachen und ließ die Jumbo-Visma-Regie kurz alt aussehen. Erst als die letzte Rampe 11 % kletterte, schob Godon den Turbo, doch Tejada hatte sich längst in die Kurve geträumt.
Jonas Vingegaard sah das Gelbe nicht einmal zittern. Der Däne ließ seine Jungs das Tempo hochschrauben, stoppte jeden Sturm im Nacken und trägt nun 24 Sekunden Vorsprung auf Adam Yates mit ins Hochgebirge. Das reicht, um heute Nacht beruhigt zu schlafen – aber nicht, um morgen zu jubeln.

Die zahl, die morgen zählt
1 912 Höhenmeter hat der Ventoux in petto, 21 km Anstieg bei durchschnittlich 7,4 %. Wer da zuckt, verliert mehr als Zeit – er verliert das Gesicht. Tejada hat nichts mehr zu verlieren, Vingegaard alles. Die Wetterkarte droht mit Schnee oberhalb von 1 400 m, die Rennleitung hat schon die Streckenposten verlegt. Die Fans werden trotzdem kommen, mit Schneekanonen, Cowbells und dem alten Ventoux-Grins.
Tejada nahm sich nach dem Ziel kaum Luft, sprach von „einem kleinen Traum, der größer wurde“. Sein Direktor sportif grinste wie ein Schuljunge – Astana hatte seit 2021 keinen WorldTour-Sieg mehr gefeiert. Für Vingegaard war das Gelb nur eine Formalie, aber er kennt die Lawine, die ihm morgen droht. Wer im April schon Ventoux fährt, spielt mit offenen Karten und zugefrorenen Fingern.
Die Würfel liegen auf dem Asphalt. Morgen zählt nur, wer die Kälte in die Beine bekommt. Tejada hat gezeigt, dass man auch ohne Favoritenstatus Geschichte schreibt. Vingegaard muss beweisen, dass Gelb mehr ist als ein Trikot – es ist ein Ziel. Und das steht auf schwindelerregender Seehöhe.
