Team d bleibt in der kabine: deutscher verband boykottiert einmarsch in verona

Das Amphitheater von Verona wird am Freitagabend eine Lücke aufweisen. Mitten zwischen den farbenfrohen Kontingenten fehlt die deutsche Fahne – und das ist kein Versehen. Der Deutsche Behindertensportverband (DBS) verzichtet auf den traditionellen Einzug der Nationen, weil das Internationale Paralympische Komitee (IPC) zehn Startplätze an Russland und Belarus vergeben hat. Die Athleten bleiben in der Athletenunterkunft, die Offiziellen sitzen vor dem Fernseher.

„Konzentration statt show“ lautet die offizielle begründung

Die Formel klingt nach Sportpsychologie, ist aber eine politische Geste. Die Entscheidung sei „gemeinsam mit den Athleten gefallen“, heißt es in der DBS-Mitteilung. Dahinter steht der Verdacht, dass das IPC mit seinen Wildcards die eigene Satzung unterläuft. Die Paralympische Charta verlangt nach „friedlichem Umfeld“, doch das Kriegsrecht gilt noch immer im Osten Europas. Da helfen auch neutrale Trikots wenig.

Ein Komplettboykott war ursprünglich nicht geplant. Verbandschef Hans-Jörg Michels hatte noch vor zwei Wochen gesagt, er halte „gar nichts“ von solchen Aktionen, weil sie „nichts bringen“. Dann las er das Urteil des CAS und die sechs russischen sowie vier belarussischen Wildcards – und kippte. Nun fordert er, „die Integrität des Sports entschlossen zu schützen“. Die Kehrtwende verlief so schnell wie ein Sprint über 100 Meter, nur dass hier die Ziellinie politisch ist.

Die kette der proteste wird länger

Die kette der proteste wird länger

Deutschland schließt sich einem Block aus neun Nationen an, darunter die baltischen Staaten, Polen und die Ukraine. Letztere durfte ihre Dressen mit aufgedruckter Landkarte nicht tragen – das IPC zensierte das Design als „politischer Symbolik“. Die Ironie: Während ukrainische Karten verboten werden, dürfen russische Athleten starten, weil sie angeblich „nicht ihre Flagge“ repräsentieren. Die Logik wankt, die Glaubwürdigkeit des IPC auch.

Für die deutschen Athleten bedeutet der Verzicht vor allem eins: weniger Ablenkung. Statt auf dem Steinboden des römischen Amphitheaters zu stehen, können sie ihre Wettkämpfe am Samstagmorgen ausgeruht angehen. Die Medaillenchancen steigen – das zumindest ist die Hoffnung im DBS-Lager. Ob der symbolische Preis stimmt, werden die TV-Bilder zeigen: Ein leeres Quadrat im Block der Nationen, das lauter schreit als jede Rede.