Gladbachs sieg täuscht: kaderwert stürzt ab – schröder warnt vor illusion

Rouven Schröder hatte den Champagner schon wieder weggestellt. 1:0 gegen Union, Jubel im Borussia-Park – und dann der Sportdirektor mit der kalten Dusche: „Habt ihr die Ergebnisse gesehen?“ Bremen gewann, St. Pauli auch. Drei Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz, das ist kein Grund für Entwarnung, sondern für Albträume.

Die schleichende entwertung des kaders

Die Zahlen sind brutaler als jedes Gegentor. Vor zwölf Monaten schätzte Transfermarkt den Gladbacher Kader noch auf 187,5 Millionen Euro – heute auf 149,8. Ein Minus von fast 38 Millionen, und das nicht nur, weil Manu Koné und Marcus Thuram die Flucht ergriffen. Selbst die verbliebenen Profis verlieren an Wert, Spiel für Spiel, Fehlpass für Fehlpass. 8,2 Millionen Euro gingen allein bei den aktuellen Leistungsträgern in den letzten zwölf Monaten in den Keller. Tendenz: weiter sinkend.

Bei Borussia lautet das Geschäftsmodell „Buy low, sell high“. Doch was passiert, wenn die Aktie nicht mehr steigt, sondern abstürzt? Fabio Chiarodia, Rocco Reitz und Wael Mohya – das ist die komplette Liste der Spieler, die zuletzt minimal an Marktwert zulegten. Drei Talente, zusammen kaum acht Millionen Euro. Der Rest? Ein Aktionärenalptraum.

Leistungskurve zeigt nach unten

Vizekapitän Reitz gewann vor einem Jahr noch 52 Prozent seiner Zweikämpfe, heute sind es 45. Seine Pässe kommen nur noch zu 77 Prozent beim Mitspieler an – früher waren es 80. Joe Scally verliert in Dribblings noch schneller den Ball als seinen Platz in der US-Nationalmannschaft. Franck Honorat liefert keine Tore mehr, sondern nur noch Statistikzahlen: fünf Scorerpunkte in 18 Partien, vor zwölf Monaten waren es 13 in 19 Spielen. Lukas Ullrich, einst Hoffnungsträger, steht bei null Torbeteiligungen. Shuto Machino schoss für Kiel elfmal ein, für Gladbach bislang dreimal – und das in einem Team, das sich gerade den Klassenerhalt sichern muss.

Die Spirale dreht sich nach unten. Je schlechter die Zahlen, desto geringer der Marktwert. Je niedriger der Marktwert, desto dringender müsste verkauft werden – aber niemand zahlt mehr Top-Preise für abstürzende Aktien.

Schröders verkaufsdruck wächst

Im Sommer muss Schröder umplanen, sonst plant der Klub auf Drittliga-Niveau. RB Leipzig pocht auf die Ausstiegsklausel von Rocco Reitz – 20 Millionen, ein Betrag, der vor einem Jahr wie ein Klacks wirkte, heute wie ein Rettungsanker. Tomas Cvancara verbessert bei Celtic Glasgow sein Image, doch selbst wenn Glasgow zahlt, bleiben nur 2,5 Millionen für einen Stürmer, der als Next-Big-Thing galt. Moritz Nicolas will die WM 2026 bestreiten, doch seine Klausel springt erst bei zweistelliger Millionenhöhe – und wer zahlt die, wenn der Klub vielleicht in Liga zwei spielt?

US-Star Scally träumt vom Wechsel zu einem Champions-League-Klub, doch sein Marktwert fiel von zehn auf sieben Millionen. Ein Scheck, der einst die Kasse füllte, reicht heute kaum für die Winterreifen.

149,8 Millionen – das ist kein statistischer Fehler, sondern ein Spiegel der Realität. Borussia Mönchengladbach ist eine fallende Messlatte geworden. Der Sieg gegen Union war ein Tropfen auf einen heißen Stein, der sich in Sekundenschnelle wieder abkühlt. Wenn nicht bald ein Siegserien-Trend folgt, bleibt dem Klub nur noch eins: verkaufen, was noch Wert hat – und hoffen, dass der Abstieg nicht auch die letzten Käufer vertreibt.