Swiss-ski verliert seinen frauen-helden: wicki geht – und nimmt erfolgsformel mit
Denis Wicki ist weg. Nach 18 Jahren, fünf Weltmeister-Titeln, drei Olympiagold-Siegen und unzähligen Kugeln für die Schweizer Frauen verabschiedet sich der Walliser in den Ruhestand – und hinterlässt ein Loch, das größer ist als jedes Loch in einem Slalom-Tor.
Camille Rast sprach es aus, was viele verschweigen: „Er hat mir beigebracht, dass Spass Siege bringt, nicht umgekehrt.“ Die 26-jährte Slalom-Hoffnung hatte Wicki erst 2019 als Juniortrainer kennengelernt, später folgten gemeinsame Weltcup-Podestplätze, aber vor allem jene lockere Art, die selbst nach einem Ausfall in Levi noch ein Schmunzeln erlaubte.

Seine methoden waren unorthodox – und effektive
Wicki baute keine Videoanalyse-Ketten. Er schickte seine Läuferinnen stattdessen auf Mountainbikes, um Balance zu spüren, oder ließ sie mit verschlossenen Augen durch Torstangen laufen. „Technik ist 50 Prozent, Selbstvertrauen die andere Hälfte“, pflegte er zu sagen. Die Bilanz: 27 Weltcup-Siege, 69 Podestplätze, ein Team, das seit 2019 durchgehend in der Nationencup-Top 3 steht.
Doch Wicki war mehr als Statistik. Er übersetzte für die Athletinnen, was Sportpsychologen in Powerpoint-Folien verlieren: Druck als Privileg. Als Wendy Holdener 2017 nach ihrer Weltmeisterschafts-Gold-Katastrophe in St. Moritz zitterte, organisierte er ein „Familien-Camp“ auf 2.000 Metern – nur Wendy, er und ein Gitarrespielender. Drei Monate später gewann sie in Lenzerheide.
Swiss-Ski-Sportchef Nicolas Knöpfli bestätigte die Trennung mit „grossem Respekt“, kündigte aber noch keinen Nachfolger an. Intern kursieren zwei Namen: Klaus Mayrhofer, derzeit Chef der ÖSV-Frauen, und als Außenseiterin die ehemalige Rennläuferin Dominique Gisin. Mayrhofer wäre die sichere Lösung, Gisin der Publikumsliebling. Entscheidung bis Ende Mai.
Die Athletinnen reagieren vorsichtig. „Wir müssen jetzt selbst die Wicki-Stimme im Kopf werden“, sagt Rast. Sie meint jenen Satz, den Wicki vor jedem Lauf durchs Funkgerät drückte: „Erinner dich, warum du das erste Mal ein Tor umrundet hast.“
Wicki selbst will sich auf seine Hütte in Törbel zurückziehen, wo schon der alte Holzlift wartet – und 77 unbeschriftete Trainingsstangen. Seine Methode war nie ein Geheimnis. Sie war ein Mindset. Wer das ersetzen will, braucht mehr als ein Powerpoint.
