Svetislav pesic legt nach 42 jahren endlich den stift beiseite
Mit 76 sagt der Mann, der deutschen Basketball erfunden hat, definitiv Good-bye. Svetislav Pesic wird im Sommer das letzte Mal die Seitenlinie entlang schreien – und dann wird Schluss sein. „Ich weiß, keiner glaubt’s, aber nach dieser Saison ist Ende“, sagte er der ZEIT. Die Stimme klang rau, als hätte er das selbst noch nicht geglaubt.
Pesic geht – und nimmt eine ära mit
Seit 1984 patrouilliert der Serbe durch deutsche Hallen, schrie sich die Lunge aus dem Leib, um aus verwöhnten Individualisten funktionierende Teams zu bauen. Er holte Alba Berlin 1995 den Korac-Cup, vier Meisterschaften und zwei Pokale folgten – bis heute das goldene Zeitalter des Vereins. Dann flog er nach Barcelona, gewann dort Treble – Liga, Pokal, EuroLeague – und kehrte 2012 nach München zurück, um Bayern aus dem Dornröschenschlaf zu rütteln. 2014 krönte er die Oberbayern erstmals seit 1955 wieder zur Meisterschaft.
Im Dezember übernahm er Notärztlich den FCBB nach der Trennung von Gordon Herbert – seine zweite Münchner Mission. Die Mannschaft schwankte, Pesic schrie noch lauter. Doch hinter der Fassade brockte die Zeit. „Was machst du hier, bist du verrückt? Du wirst 77 und stehst immer noch 22 Uhr nachts im Training?“, sagte er sich selbst. Die Antwort war ein Seufzer und ein Entschluss, den er nie für möglich hielt.

Der basketball verliert seinen letzten diktator
Pesic war nie ein Freund von halben Sachen. Wer unter ihm spielte, musst Sprints lieben und Disziplin wie Atemluft. Er war Bundestrainer, als Deutschland 1993 die EM holte – bis heute der einzige Titel der Herren. Er führte Jugoslawien 2001 zu Gold, Serbien 2009 zu Silber. Seine Taktikbretter waren legendär, seine Pressekonferenzen ein Spiegel seiner Stimmung: mal zornig, mal philosophisch, nie langweilig.
Jetzt will er Kurse geben, „irgendwas mit Basketball“, sagt er. Aber Cheftrainer? „Das kann ich meinem Lebensende nicht mehr antun.“ Stattdessen wird er öfter in Barcelona tapas essen und in seiner Heimatstadt Pirot Kaffee kochen. Die Familie wartet, der Enkel wächst.
Die Liga verliert ihren letzten Dauerbrenner. Keine Watschn mehr auf der Bank, kein „Ajde!“ mehr, das bis in die letzte Reiße schallt. Wer jetzt in die Audi-Dome kommt, wird einen leeren Platz an der Seitenlinie sehen – und wissen: Dort stand einmal der Mann, der deutschen Basketball lehrte, wie man gewinnt. 42 Jahre, acht Klubs, drei Länder, unzählige Titel. Schluss, aus, Ende. Und kein Mensch glaubt ihm – bis der Stift tatsächlich liegen bleibt.
