Stützle verspielt 2:0-führung – senators rutschen tiefer ins playoff-chaos

Tim Stützle stürmte, dribbelte, verzweifelte – und blieb am Ende mit leeren Händen da. Die Ottawa Senators warfen beim Stanley-Cup-Sieger von 2021 nach 4:45 Minuten schon zwei Pucks ins Netz, gaben das Spiel aber noch mit 2:4 aus der Hand. Ein Eigentor der Sorte, die Playoff-Träume erst kurz aufblitzen lässt und sie dann mit Gewalt zerstört.

Blitzstart mit beinahe-effekt

Die Gäste aus der kanadischen Hauptstadt erwischten einen Start, wie ihn Coach Travis Green in seinen kühnsten Nachtträumen gezeichnet hatte. Drake Batherson knallte den Puck nach 97 Sekunden zur Führung, Claude Giroux erhöhte kurz darauf. Amalie Arena verstummte, Tampa wirkte wie betäubt. Doch die Lightning lassen sich nicht zweimal bitten. Nikita Kutscherow, sonst die Konstante im Tampa-Angriff, blieb diesmal ohne Scorerpunkt – und war trotzdem der heimliche Matchwinner, weil seine Linie die Senators in der zweiten Hälfte des ersten Drittels in die Defensive drängte und den Knoten löste.

Die Wende kam mit einem Powerplay-Tor von Brandon Hagel und dem Ausgleich durch Victor Hedman, dessen Slapshot von der blauen Linie wie eine Kanonenkugel ins linke obere Eck zischte. Ottawa brach in sich zusammen, die defensive Struktur zerfiel, und die Fehlerkette setzte sich fort. Stützle, sonst der kreative Dirigent, fand keine Lücke mehr, gewann nur 38 % seiner Bullys und blieb erstmals seit sieben Partien ohne Tor oder Assist.

Die tabelle nagelt die senators fest

Die tabelle nagelt die senators fest

Mit 86 Punkten kleben die Senators auf Rang zehn der Eastern Conference, zwei Zähler hinter den Detroit Red Wings, die momentan die letzte Wild-Card halten. Die Carolina Hurricanes führen mit 96 Punkten, Tampa Bay hält bei gleicher Ausbeute dank der besseren Head-to-Head-Bilanz Rang zwei – ein bitterer Nebengeschmack für Ottawa, das im direkten Duell versagte.

Noch sind sieben Spiele bis zum Saisonende, doch die Restprogramme der Konkurrenten sind kein Geschenk. Ottawa muss zweimal gegen Boston, einmal nach Florida – und die Formkurve zeigt nach unten. Seit dem All-Star-Break holten die Senators nur 43 % der möglichen Punkte, schlechter nur Chicago und San Jose. Die Wahrscheinlichkeitsrechner der US-Sportportale geben Ottawa nur noch eine 18-prozentige Chance auf die Postseason. Die Mathematik wird zur Kaltschnauze.

Stützle zwischen anspruch und wirklichkeit

Stützle zwischen anspruch und wirklichkeit

Die 22-Jährigen-Saison war bislang eine Erfolgsgeschichte: 68 Punkte in 71 Spielen, ein All-Star-Auftritt, ein Dreijahres-Vertrag über 66 Millionen Dollar. Doch genau diese Zahlen machen Spiele wie in Tampa so schmerzhaft. Topverdiener müssen Topspiele entscheiden, und genau das gelingt Stützle in den entscheidenden Momenten selten genug. Sein Corsi von 52 % gegen Tampa klingt gut, doch die erwarteten Tore (xG) seiner Linie blieben bei mageren 0,41 – ein Armutszeugnis für einen Spieler, der mit Tempo und Übersicht glänzen soll.

Coach Green schwärmt nach wie vor von der „generational talent“, doch in der Kabine wächst der Druck. Veteran Travis Hamonic sagt nüchtern: „Wir können nicht immer darauf warten, dass Tim uns rettet. Jeder muss seinen Job machen, sonn sitzen wir im April zu Hause.“ Die Botschaft ist klar: Die Führungsspieler müssen liefern, sonst wird aus dem Traum von der zweiten Playoff-Teilnahme in Folge eine frühe Sommerpause.

Am Freitag gastieren die Senators in Madison Square Garden bei den New York Rangers. Ein Sieg würde die Lücke auf zehn Punkte verkürzen, eine Niederlage die Saison so gut wie beenden. Die Uhr tickt – und Tim Stützle muss endlich wieder die Scheibe ins Netz zimmern, sonst verpufft seine ganze Saison in einer einzigen, verlorenen 2:0-Führung in Tampa.