Stuttgart reist ohne undav zum fcb: fluch oder chance?
Kann der VfB auch ohne seinen Knipser mithalten? Am Sonntag müssen die Schwaben in der Allianz Arena auf Deniz Undav verzichten – fünfte Gelbe, Rotations-Alarm, Bayern-Lähmung. Die Zahl nagt: 45 Buden in 82 Liga-Einsätzen, 18 Vorlagen, aktuell 18 Treffer und fünf Assists in dieser Saison. Wegfall? Katastrophe? Vielleicht nicht.
Die undav-falle: torgefahr trifft punktefluch
Statistiker lieben diesen Widerspruch: Mit Undav erzielt Stuttgart alle 42 Minuten ein Tor, ohne ihn alle 46 – kaum spürbar. Doch die Punkte kehren sich um: 1,83 Zähler pro Spiel mit ihm, 1,93 ohne ihn. Kleinere Stichprobe, klar. Trotzdem: Sebastian Hoeneß muss nun beweisen, dass sein System nicht vom einzelnen Star lebt.
Der Coach redete das Foul von Nicolas Capaldo klein, aber seine Körpersprache verriet Erleichterung. „Deniz ist vorbelastet“, sagte er – Codewort für: Ein Saison-Aus wäre möglich gewesen. Die Gelbe schützt auf brutal simple Weise vor größerem Schaden. Nun darf Ermedin Demirovic die Spitze übernehmen, flankiert von Chris Führich und Silas. Tempo statt Target Man – ein Stilwechsel, der Bayern in der Transition treffen könnte.

Münchens schwäche kommt zur rechten zeit
Die Münchner sind Tabellenführer, aber nicht unschlagbar. In den letzten drei Heimspielen kassierte Vincent Kompany’s Team mindestens ein Gegentor. Der VfB bringt die jüngste Form mit: vier Siege aus den letzten fünf Partien, 13:2 Tore. Ohne Undav gewann Stuttgart zuletzt 4:0 in Hamburg – jene Partie, die den Top-Stürzer ausgerechnet aus dem Kader wirft. Ironie des Fußballs.
Hoeneß’ Plan lautet: frühes Umschaltpressing, enge Räume zentral, schnelle Dribblings über die Außen. Jamie Leweling könnte als falsche Neun auftauchen, Demirovic als hängende Spitze. Die Variabilität ist da, die Motivation sowieso. „Wir wollen nicht der Steigbügelhalter einer Meisterfeier sein“, sagte Demirovic – und spielte damit auf 1997 an, als Stuttgart beim späteren Meister mit 2:4 unterging und nur noch applaudieren durfte.
Die Wette: Ein Punkt wäre Gold wert für die Champions-League-Träume, ein Sieg würde die Rote Laterne der Bayern ein Stück weit schmälern. Und für Undav? Er sitzt auf der Tribüne, darf hoffen, dass seine Kollegen den Fluch in eine Randnotiz verwandeln. Die Zahlen sagen: ohne ihn läuft’s – komischerweise – besser. Am Sonntag zählt nur, was auf dem Rasen passiert.
