Stuttgart muss in porto ekeln – sonst ist europa vorbei
21 Uhr, Estádio do Dragão, 50.000 Portugiesen, ein 1:2-Rückstand: Für den VfB Stuttgart beginnt in Porto die Stunde der Wahrheit. Wer sich nicht durchbeißt, fliegt raus aus dem Europa-League-Traum.

Hoeneß’ joker heißt undav – und der schlägt jetzt zurück
Deniz Undav hat die Parole ausgegeben: „Wir müssen eklig auftreten.“ Der Stürmer, 29 Jahre alt, 1,84 m groß, 81 Kilo schwer, spricht nicht vom schönen Spiel. Er spricht vom Überleben. „Fußballerisch sind die nicht besser“, sagt er über den Gegner, der daheim in der Liga seit 23 Partien ungeschlagen ist. Die Botschaft: Wir zerstören eure Statistik.
Maximilian Mittelstädt will Porto „weghauen“. Der Linksverteidige kennt die Druckkocher-Atmosphäre aus der Nations League, er weiß, wie schnell ein Stadion kocht und wie schnell es verstummt. Ein frühes Tor, das ist der Plan, würde die Mauer aus Stimmen einreißen. Die Zahlen sprechen gegen Stuttgart: nur zwei Auswärtssiege in dieser EL-Saison, beide gegen unterklassige Gegner. Doch Zahlen interessieren Undav gerade wenig.
Sebastian Hoeneß, 43, Trainer mit Kuckucksuhr und badischem Dialekt, hat die Woche über Trainingslagerstimmung verordnet. Kein Freizeitprogramm, kein Sightseeing. Dafür Videoanalyse bis spät in die Nacht. Die Mannschaft soll wissen, wo Portos Außenverteidiger den Ball lieben: in die Tiefe, nie quer. Wer das Laufduell gewinnt, gewinnt das Spiel. Einfache Rechnung, schwere Umsetzung.
Die portugiesische Presse schreibt vom „Leichten Ende“ für den FC Porto. Sie haben Stuttgart unterschätzt. Denn der VfB hat in dieser Saison schon zweimal nach Rückstand gedreht – gegen Freiburg und gegen Darmstadt. Die Mentalität ist kein Zufall, sie ist Trainingsinhalt. Hoeneß lässt seine Spieler nach 0:1-Pausenstand fünf Minuten lang sprinten, bis die Lunge brennt. Dann sagt er: „So fühlt sich ein Ausgleich an.“
Um 21 Uhr pfeift Michael Oliver aus England an. Kein Deutscher im Feld, keine deutsche Hilfe. Dafür ein deutscher Sturm, der alles oder nichts will. Wenn Stuttgart scheitert, ist die Saison auf Platz sieben vorbei. Wenn Stuttgart weiterkommt, wartet im Halbfinale vielleicht schon Bayer Leverkusen – und ein Duell, das ganz Europa gucken würde.
Die Uhr tickt. In der Kabine von Porto hängt ein Zettel: „Stuttgart hat nichts zu verlieren.“ Genau das ist der Fehler. Stuttgart hat alles zu verlieren – und deshalb wird es gefährlich.
