Streik legt münchen lahm – so kommt ihr trotzdem zur allianz arena
Chaos vor dem Bayern-Kracher: Verdi paralysiert den ÖPNV, die U6 fährt nur stotternd, und 70.000 Fans müssen nach Fröttmaning. Die Lösung? Ein Bündnis aus improvisierter MVG-Truppe, Club-Shuttles und dem guten alten Fußmarsch.
Die u6 wird zur glückssache
Los geht’s heute Mittag: ab 11 Uhr ruft Verdi erneut zum Warnstreik, 41 Stunden später – Freitag 4 Uhr – soll die Blockade enden. Die Folge: U3 und U6 laufen nur, wenn genug Streikbrecher das Depot verlassen. Beim Pokal-Viertelfinale gegen Leipzig Anfang Februar klappte das, weil die MVG die Linie U6 priorisiert – sie ist das Rückgrat der Arena-Anreise. Ob das Drehbuch heute wiederauflegt, steht auf dem Papier, nicht im Fahrplan. Die Taktung: ab 18 Uhr alle fünf Minuten, verspricht ein Sprecher, „sofern Personal verfügbar“. Keine Garantie, sondern eine Wette.
Die Alternative sitzt auf vier Rädern und trägt das FC-Bayern-Logo. Ab 17 Uhr startet ein kostenloser Bus-Shuttle an der Donnersbergerbrücke, Endstation Kieferngarten – von dort sind es zehn Minuten Fußmarsch bis zum Nordportal. Rückfahrt nach dem Abpfiff: Stachus, direkt in die Münchner Nacht. Die Kapazität: 60 Sitzplätze pro Bus, Takt alle fünf Minuten, so lange die Schlange reicht. Ein Blick auf die Karte zeigt: Wer in der Innenstadt wohnt, spart sich den Umweg über die gesperrte S-Bahn und landet trotzdem vor dem Ring.

Auto ist erlaubt, aber selbststrafe
Die Autobahnen A9 und A99 verwandeln sich ab 19 Uhr in rote Glutbänder. Das Parkhaus P1 mit 11.000 Plätzen ist seit Tagen ausverkauft, Restplätze in P3 kosten 25 Euro – Stand heute Morgen waren noch 400 verfügbar. Das Bayerische Rote Kreuz warnt schon: Rettungsgasse bilden heißt dann: drei Spuren Stillstand, eine Rettungskarte im Navi und jede Menge Geduld. Wer dennoch fährt, sollte spätestens um 17 Uhr los, sonst erlebt man die erste Halbzeit im Stau am Fröttmaninger Berg.
Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: 70.000 Zuschauer erwarten, 42.000 kommen normalerweise per Bahn. Bleibt die U6 im Depot, droht ein Pendlerpulk von 25.000 Fußballpilgern, der sich auf Busse und Autos verteilt. Die MVG rechnet mit einer Ausfallquote von 30 Prozent – das klingt nach kleiner Zahl, bedeutet aber 18 entfallene U-Bahn-Waggons pro Stunde. Die Kettenreaktion: längere Wartezeiten, überfüllte Haltestellen, verpasste Anstoßzeiten.
Die Fanbeauftragten des FC Bayern haben bereits 120 Ordner zusätzlich aufgeboten, die an den Umsteigepunkten Wegweiser halten – nicht nur aus Solidarität, sondern weil das Stadion sonst halb leer wirkt. Die Botschaft: Kommt früher, bleibt flexibel, plant Puffer. Wer um 18 Uhr loszieht, hat noch eine echte Chance auf den ersten Torjubel mitzukreischen. Spätestens wenn der Referee pfeift, wird klar: Der Sieg ist die zweite Hürde, die Anreise die erste.
