Streich zerreißt trump live im zdf – die wm wird zur bühne des protests
Keine zehn Minuten nach dem Anpfiff zwischen Mexiko und Südafrika schlägt Christian Streich nicht mit der Faust, sondern mit Worten zu. „Die USA driftet in eine Autokratie ab“, donnert der Ex-Freiburg-Coach ins ZDF-Mikro und lässt die Leitung kurz stocken. Jochen Breyer, sonst unerschütterlich, muss nachfragen. Streich antwortet, ohne den Blick vom Spielfeld zu nehmen: „Wenn man die Führungskräfte dort betrachtet, ist das keine Prophezeiung mehr, sondern Tagesordnung.“
Der moment, in dem der ball nebensache wird
Es ist 20:26 Uhr Ortszeit in Atlanta. Die mexikanische Hymne verklingt, die Spieler applaudieren, doch in den sozialen Netzwerken explodiert schon die Debatte. Streich spricht das aus, was viele denken, aber vor der Kamera nur flüstern: Er will den anderen nicht mehr beim Namen nennen – der eh schon zuviel Platz einnimmt. Die Anspielung auf Donald Trump ist kaum verhohlen.
Die Szene ist bemerkenswert, weil sie zeigt, wie sehr sich das Turnier von innen heraus auflöst. Wenige Tage zuvor hatte der somalische Schiedsrichter Omar Artan an der Einreise gehakt, die iranische Delegation darf nur an Spieltagen auf US-Boden verweilen. Die FIFA trommelt für „Football unites the world“, doch die Welt draußen trampelt lauter.

Streich und die angst vor dem stillen komplizen
Schon im Vorfeld hatte der Schwarzwälder Trainer das Verhältnis zwischen Trump und Gianni Infantino als „zweifelhafte Liaison“ bezeichnet. Jetzt, live im Studio, legt er nach: „Autokraten sabotieren demokratische Prozesse und setzen sich über Gerichte hinweg. Ich wollte das eigentlich nur sagen, bevor wir wieder über Taktik reden.“
Diese Sätze hallen länger nach als jedes Tor. Denn sie entlarven den stillen Deal, auf dem die WM ruht: Wir schweigen über Menschenrechte, dafür liefert ihr das Spektakel. Streich bricht den Pakt, und das ausgerechnet auf einem Sender, der mit der FIFA Milliardenverträge pflegt.

Die stunde des unbequemen experten
Zur Halbzeit verlässt er das Studio, nicht ohne Breyer die Hand zu drücken. Im Hintergrund laufen die ersten TikToks mit seinem Statement bereits im Loop. Die Hashtags #Streich und #BoykottWM türmen sich. Die FIFA schickt einen Pressesprecher vor, der „Meinungsfreiheit“ erwähnt und „ausgewogene Berichterstattung“ fordert. Es klingt wie ein Satz aus einer anderen Epoche.
Während die zweite Halbzeit beginnt, steht fest: Die 2026er WM wird nicht nur wegen Kylian Mbappés Tempo oder Jude Bellinghams Tore in Erinnerung bleiben. Sie wird als das Turnier gelten, in dem ein Trainer die Mikrofone umfunktionierte und die Politik ins Stadion eindrang. Am Ende steht ein 2:0 auf der Anzeigetafel, doch das eigentliche Resultat steht außer Frage: Streich gewinnt die Debatte – und die FIFA verliert die Kontrolle über die Narrative.
