Steven betz fliegt nach mailand: der mann, der nach dem unfall alles wechselte

1,5 Tonnen Stahl zerquetschten sein Bein – 18 Jahre später sitzt Steven Betz im Flieger Richtung Paralympics. Der Verteidiger der deutschen Sleddogs ist zum ersten Mal dabei, seit 2006 schaffte das Team wieder die Qualifikation. Für den 33-jährigen Familienvater aus Karlsruhe ist das kein PR-Satz, sondern gelebte Zweite Chance.

Der Unfall war ein Arbeitsunfall, nicht mehr und nicht weniger. „Nach fünf Wochen hieß es: Bein halten oder weg“, erzählt er. Die Entscheidung fiel in einer Nacht, in der Infektionswerte durch die Decke gingen. Heute sagt er: „Die Prothese ist besser als jedes wackelnde Original.“

Einmal im monat eis, sonsten fitnessraum

Einmal im monat eis, sonsten fitnessraum

Die Realität klingt knochentrocken: Betz kommt alle 14 Tage für 45 Minuten aufs Eis, trainiert mit der Nationalmannschaft nur einmal im Monat zusammen. Der Rest ist Kraftraum, Individualprogramm, Autobahnfahrt nach Freiburg, wo eine Mixed-Mannschaft ihn aufnimmt. Platz fünf als Ziel? „Realistisch“, sagt er. „Aber wir träumen laut.“

Die Geschwindigkeit auf den zwei Millimetern Kufen erreicht 30 km/h, die Checks sind vollkontakt, nur das Visier ist geschlossen. „Zähne bleiben drin“, lacht Betz, „dafür fliegen wir trotzdem.“ Der Schlitten ist individuell aus Carbon, die Stöcke haben Spikes statt Eiskanten – ein Sport, der aussieht wie Eishockey, aber in der Luft ist.

Sein Kinderbuch endete mit dem Satz: „Der größte Traum ist die Teilnahme.“ Jetzt ist er wahr. Das Trikot kommt in den Rahm, egal wie Mailand endet. Die Medaille wäre nur das Sahnehäubchen auf einer Karriere, die ohne das Amputations-Opfer gar nicht erst begonnen hätte.