Steinhauser stemmt sich in nizza gegen vingegaards zeitmaschine

Georg Steinhauser tritt die Kurbel, als wäre sie ein Rettungsanker. 179,3 Kilometer zwischen Barbentane und Apt – und der Allgäuer bleibt auf Rang drei. Kein Zentimeter nach vorn, keiner zurück. Das weiße Trikot des besten Jungprofis klebt an seiner Haut wie ein zweites Herz.

Die logik der 13. position

Platz 13 klingt nach Mittelmaß. Doch im Getto der Favoriten war das ein Akt der Kontrolle. Harold Tejada durfte vorne wegfahren, sechs Sekunden Vorsprung retteten sich ins Ziel – ein Schauspiel, nicht mehr. Steinhauser büßte keine Zeit ein, blieb 5:50 Minuten hinter Jonas Vingegaard. Der Däne wirkt wie ein Uhrwerk aus Stahl und Ruhe, seit er die letzten beiden Etappen gewann.

Die Jumbo-Visma-Maschine schläft nie. Dahinter Daniel Felipe Martinez, der Kolumbianer von Red Bull-Bora-hansgrohe, bereits 3:22 abgeschlagen. Die Lücke zwischen Silber und Bronze ist größer als die zwischen Steinhauser und der Unendlichkeit. Doch das weiße Trikot zählt nicht nur Sekunden, es zählt Tage. Und Tage werden langsam zur Rarität.

Sonnenkönig vor der königsetappe

Sonnenkönig vor der königsetappe

Samstag warten 138,7 Kilometer und 3.149 Höhenmeter. Die Straße nach Auron endet auf 1.600 Metern, wo die Luft dünn ist und die Lügen der Beine sichtbar werden. Wer da noch ein weißes Trikot trägt, muss es mit eigener Lunge verteidigen. Steinhauser kennt die Alpen, er wurde dort geboren. Aber Paris-Nizza ist kein Heimspiel, sie ist ein Prüfstand für Träume.

Die 84. „Fahrt zur Sonne“ neigt sich dem Ende zu, doch die Sonne lügt nie. Sie zeigt, wer am Limit lebt und wer nur dabei ist. Steinhauser lebt. Sonntag geht es erneut rund um Nizza – noch ein Mal Aufwachen, noch ein Mal Kämpfen. Dann steht fest, ob das weiße Trikot am Ende doch gelb wird oder nur eine Episode bleibt.

Die Uhr tickt. 5:50 Minuten klingen nach viel. In der Bergankunft von Auron können sie sich in Sekundenbruchteile auflösen – oder in Ewigkeit verwandeln.