Steffen rettet lugano mit flatterball, aber der frust bleibt

Ein Freistoß, der mehr Irrfahrt als Absicht war, beschert dem FC Lugano einen Punkt, den er eigentlich gar nicht verdient hatte. Renato Steffen schlug den Ball in der 94. Minute aus 45 Metern, sah, wie er am zweiten Pfosten einschlug – und wusste sofort: Die Freude täuscht über schwerwiegende Defizite hinweg.

St. gallen dominiert, aber vergisst das tor

Die Ostschweizer liefen 25 Minuten in Überzahl, schossen alles an Pfosten, Latte und Lattengitter – nur nicht den Ball ins Netz. Der Grund ist simpel: Lugano schaltete nach der Roten Karte gegen Daniel dos Santos um auf Notprogramm, St. Gallen blieb im Tiki-Taka-Modus ohne letzte Konsequenz. Die Statistik lügt nicht: 17:4 Torschüsse, 65 Prozent Ballbesitz, null Punkte.

Steffen spricht das aus, was im Stadion jeder gedacht hat: „Wir waren zu elft schlechter als zu zehnt.“ Die erste Halbzeit war ein Lehrstück in Langsamkeit: Querpass, Rückpass, erneuter Querpass – bis der Ball irgendwann im Aus war. Kein Pass in die Tiefe, kein Tempo, kein Plan. Der Platzverweis wurde zum Weckruf. „Unter Druck haben wir endlich Räume erkannt“, sagt Steffen. Die Ironie: Erst ein Mann wenig weckte den Kollektiv-Geist.

Die heimfahrt wird kürzer, die baustelle größer

Die heimfahrt wird kürzer, die baustelle größer

Am vergangenen Freitag musste die Delegation wegen Schneechaos umkehren, diesmal dürfen sie fahren – mit einem 1:1 im Gepäck, das sich anfühlt wie ein 0:3. Denn wer in der Meisterschaftsphase nur mit Glück und Notstandsmentalität punkten kann, verpasst die Top vier. Trainer Mattiussi muss nun eine Lösung finden, wie seine Mannschaft auch in Normalbesetzung die nötige Aggressivität entwickelt. Sonst nämlich bleibt der nächste Flatterball irgendwann aus – und dann steht Lugano am Ende mit leeren Händen da.