Stage trifft doppelt: werder fegt hsv im derby weg und entkommt der abstiegszone

Der alte Rivalitätsschmerz ist Geschichte. Jens Stage schoss Werder Bremen mit zwei Treffern und einem Assist zum 3:1-Sieg über den Hamburger SV – und warf die Grün-Weißen auf Platz 14, fünf Punkte über die Relegation. 42 100 Zuschauer im Weser-Stadion erlebten ein Spektakel, das nach acht Jahren endlich wieder ein Heim-Derby in der Bundesliga war.

Stage liefert nach oberschenkel-zwangspause die antwort

Nur eine Trainingseinheit hatte der Däne nach seiner Muskelblessur absolviert, nach 60 Minuten meldete er sich ab. Doch diese eine Stunde reichte: In der 23. Minute drückte er einen abgefälschten Schuss über die Linie, in der 51. Minute köpfte er eine Stage-Flanke von Mitchell Weiser zum 2:0 ein. Dazwischen legte er per Hacke für Cameron Puertas auf – 3:0, die Vorentscheidung. „Das ist geil“, sagte er später, „aber das war nicht nur ich, das war die ganze Mannschaft.“ Die Bescheidenheit passt zum Charakter, nicht zur Leistung.

HSV-Kapitän Sebastian Schonlau rutschte in der 84. Minute noch mit Gelb-Rot vom Platz, weil er Marvin Ducksch von den Beinen hob. Laszlo Bénes erzielte den Ehrentreffer, doch mehr gelang dem Tabellen-13. nicht. Die Hanseaten verpassten damit den Sprung auf Tabellenplatz zehn, während Werder die rote Laterne endgültig abschüttelte.

Thioune nutzt den emotionalschub für den endspurt

Thioune nutzt den emotionalschub für den endspurt

Trainer Daniel Thioune wusste, was auf dem Spiel stand. „Dieses Nordderby ist mehr als nur drei Punkte“, hatte ihm der Klub bei seiner Verpflichtung eingetrichtert. Nach dem Schlusspfiff stand er mit Tränen in den Augen vor der Ostkurve, ließ sich feiern. „Wir haben die Woche intensiv genutzt, um die Kopfverletzung vom Hinspiel zu kitten“, sagte er – gemeint ist die 0:3-Klatsche im Volksparkstadion, die Werder monatelang mit sich herumtrug.

Die Zahlen sprechen für sich: Bremen holte aus den letzten vier Spielen sieben Punkte, kassierte dabei nur zwei Gegentore. Die Defensive um Miloš Veljković und Marco Friedl stand gegen den HSV kompakt, Mittelfeldstratege Stage lenkte das Spiel. „Wenn Jens nur 60 Minuten kann, nehme ich sie mit Kusshand“, sagte Thioune. Am Samstag reichten diese 60 Minuten, um ein ganzes Saisonkapitel zu schreiben.

Die Fans feierten bis in die Nacht auf der Sielwallkreuzung, Pyrotechnik zündete sich, Polizei rückte an. Die Stadt Bremen wird die Rechnung für den Hochrisiko-Einsatz an den Klub weitergeben, doch das interessierte am Abend niemanden. „Lasst uns Bremen heute auseinandernehmen“, hatte Torwart Mio Backhaus via Mikrofon angekündigt. Stage zog sich stattdessen zurück. „Mio ist 20, das darf er sagen. Wir älteren Jungs schauen mal, ob Marco was organisiert.“ Die Party war groß, der Kater folgt am Montag – mit der Auswärtsaufgabe in Mainz.