St. pauli verspielt befreiung: matanovic trifft doppelt und lässt den kiez verzweifeln

Der FC St. Pauli wollte dem Frühlingsdom ein Fest bereiten, am Ende feierten die Gäste. Igor Matanovic, einst Liebling der Millerntor-Kurve, schlug doppelt zu und stapelte den Kiez-Klub tiefer in den Keller. 1:2 (0:1) hieß es, und das 16. Tabellenkino bedeutet Relegationsplatz, Druck, Albträume.

Die killer-heimkehr des ex-helden

Danel Sinani hatte den Millerntor-Block mit einem strammen Linksschuss (24.) auf die Beine gebracht, doch die Freude hielt nur 41 Minuten. Matanovic, 2023 noch in Braun-Weiß unterwegs, drehte in der Drehung an der Strafraumgrenze auf, traf flach, traf eiskalt. 65. Minute, 1:1. Die Kurve verstummte. Dreizehn Minuten später die Vollendung: Konter, Matanovic wieder, diesmal mit der Innenseite – 1:2. Wer sonst?

Die Hamburger hatten sich alles ausgemalt: Sieben Punkte aus den letzten vier Spielen, Europa-League-Gegner von gestern vor der Brust, ein Frühlingsdom, der das Stadion erstrahlen lässt. Doch der SC Freiburg kam frisch vom 5:1-Spektakel gegen Genk, und die Beine der Breisgauer waren leichter, die Köpfe klarer. Vincenzo Grifo, Rekordmann und 300-Spiele-Veteran, dirigierte sein Orchester mit der Gelassenheit eines Mannes, der weiß, dass er morgen Halbfinale im Pokal spielt.

St. pauli rennt an, verpasst den knockout

St. pauli rennt an, verpasst den knockout

Die Blessin-Elf war nicht schlecht, sie war nur ungenug. Joel Fujita lief 11,9 km, Elias Saad schlug 13 Flanken, doch Atubolu hielt, was zu halten war. Die große Chance zum 2:1 hatte substitute Dapo Afolayan (71.), scheiterte aber aus fünf Metern am aufrutschenden Keeper. Kurz darauf der vermeintliche Ausgleich: Cyriaque Irié netzte ein, stand aber mit der Hacke im Abseits – Millimeterentscheidung, VAR, Stille. Danach war nur noch Freiburg am Zug.

Die Zahlen sind hart: Seit acht Spielen keine Null mehr, seit fünf Heimspielen keinen Dreier. 28 Gegentore nach 27 Runden, nur drei Klubs kassieren mehr. Und vorne? 24 Tore, schlechteste Liga-Bilanz. Die Tabelle lügt nicht, sie spuckt Realität aus. Relegationsrang, zwei Punkte Luft, zwölf Spiele Zeit. „Wir haben mutig gespielt, aber Mut zählt nur, wenn er Tore produziert“, sagte Blessin, ohne die Stimme zu heben. Seine Spieler stapften mit hängenden Köpfen in die Kabine, während draußen das Riesenrad weitersah – unbeeindruckt, unbarmherzig.

Am Millerntor schallt seit Wochen das Motto „Wir sind der FC St. Pauli, wir steigen nicht ab“. Gegen Freiburg klang es nach dem Abpfiff wie ein frommer Wunsch. Matanovic, einst einer von ihnen, hatte die Realität mit zwei Schritten auf den Kiez geschmettert. Nächster Gegner: Leipzig. Die Uhr tickt.