Ssv merten: aufstiegsträume und infrastruktur-herausforderungen
Der SSV Merten steht vor einer Weggabelung. Nach Jahren des kontinuierlichen Aufstiegs in der Mittelrheinliga und einer knappen Vizemeisterschaft bahnt sich aktuell erneut der Sprung in die oberen Tabellenregionen an. Doch der sportliche Erfolg offenbart eine zentrale Schwäche: die marode Infrastruktur.
Die punkte, die auf dem platz liegen blieben
Theo Riegel, zweiter Vorsitzender des Vereins, spricht Klartext: „Acht vergebene Elfmeter haben uns etwa zehn Punkte gekostet. Wir hätten eigentlich zwei, drei Plätze höher stehen.“ Der fünfte Platz in der Tabelle spiegelt zwar eine solide Leistung wider, doch der Hunger nach mehr ist im Verein groß. Vor allem im Abschluss ließ die Mannschaft in der abgelaufenen Saison zu viele Gelegenheiten ungenutzt. Doch Riegel betont, dass der sportliche Erfolg nur eine Seite der Medaille ist.

Ein wettlauf gegen die zeit: der neue rasenplatz
Die größte Herausforderung für den SSV Merten ist die Infrastruktur. Während viele Konkurrenten in vergleichbaren Ligen auf kommunale Unterstützung oder vorhandene Sportanlagen zurückgreifen können, muss Merten die notwendigen Projekte eigenständig stemmen. Im Fokus steht dabei der Bau eines neuen Naturrasenplatzes, dessen Kosten sich auf rund 750.000 Euro belaufen. „In Köln, Bonn oder Siegburg wird so etwas von der Kommune übernommen – wir müssen das hier selbst organisieren“, erklärt Riegel. Die Abhängigkeit von Fördermitteln und Eigenmitteln schränkt die finanzielle Flexibilität des Vereins erheblich ein.

Mehr als nur ein rasen: flutlicht und tribüne
Doch der neue Rasenplatz ist nur der erste Schritt eines umfassenderen Plans. In der Pipeline befinden sich bereits konkrete Planungen für eine Flutlichtanlage und eine Tribüne, die die Rahmenbedingungen am Standort deutlich verbessern sollen. Die entsprechenden Bauanträge sollen zeitnah eingereicht werden. Der Verein will die gesamte Anlage Schritt für Schritt auf ein höheres Niveau heben.

Regionalliga? noch nicht das richtige timing
Entsprechend realistisch fiel die Entscheidung aus, auf eine Bewerbung für die Regionalliga zu verzichten. „Das kommt mindestens ein Jahr zu früh“, so Riegel. Wirtschaftlich und organisatorisch sei dieser Schritt derzeit nicht darstellbar. Der „Mertener Weg“ – kontrolliertes Wachstum statt riskanter Sprünge – ist damit klar definiert. „Die Grundrechenarten beherrschen wir“, sagt Riegel mit einem Augenzwinkern.
Ein bündnis für bessere bedingungen
Merten agiert nicht alleine. Gemeinsam mit dem SSV Bornheim wird das Thema Infrastruktur bei der Stadt platziert. Trotz sportlicher Rivalität verfolgen beide Klubs ein gemeinsames Ziel: bessere Rahmenbedingungen für den Fußball in der Region. „Natürlich sind wir Konkurrenten, aber in dem Punkt ziehen wir an einem Strang“, betont Riegel. Durch den gemeinsamen Auftritt erhoffen sich die Vereine mehr politisches Gewicht.
Sportpark pennenfeld als plan b?
Auch eine Ausweichlösung wird weiterhin geprüft. Gespräche mit umliegenden Kommunen, darunter auch Bonn, haben bereits stattgefunden. Das Stadion im Sportpark Pennenfeld wurde als mögliche Option ins Gespräch gebracht. „Wir hatten da durchaus positive Signale“, so Riegel, ohne jedoch konkrete Details zu nennen.
Fokus auf die sportliche zukunft
Trotz aller infrastrukturellen Herausforderungen bleibt der Fokus auf dem Platz. Trainer Bünyamin Kilic hat seinen Vertrag verlängert und versteht es, das Beste aus der Mannschaft herauszuholen. „Er ist ein absoluter Glücksfall für uns“, lobt Riegel. Für die neue Saison lautet die Zielsetzung daher pragmatisch: oben dranbleiben – trotz begrenzter Mittel. Verstärkungen in der Offensive sind geplant, insbesondere die Suche nach einem „klassischen Torjäger – am besten holen wir zwei“.
Am Sonntag empfängt der SSV Merten den Tabellenzwölften FC Hennef um 15 Uhr. Ein Spiel, das für den SSV eine weitere Chance darstellt, den Aufwärtstrend fortzusetzen und die sportliche Entwicklung trotz der bestehenden Infrastruktur-Defizite weiter voranzutreiben. Der Mertener Weg mag steinig sein, doch der Wille zum Erfolg ist unverkennbar.
