Spvgg haidhausen: 27 punkte weg – wegen krimi-spieler auf falschem pass

27 Punkte abziehen, obwohl der Verein selbst betrogen wurde? Die SpVgg Haidhausen droht der GAU in der Kreisliga 3 – und Vorstand Giuseppe Scialdone zieht vor den Bayerischen Fußball-Verband. Der Grund: Ein Mann namens Mateo V. spielte 14 Spiele auf einem gestohlenen Ausweis, landete danach in Untersuchungshaft wegen Drogenhandels und versuchten Mordes. Die Folge: Die 14 Siege werden annulliert, Haidhausen stürzt aus dem Aufstiegsrennen.

Der anruf aus dem nichts

19. Dezember 2024, 10:23 Uhr. Scialdone schaut auf das Handy, sieht die Nummer des Landeskriminalamts und lacht erst. „Ich dachte, das ist ein Scherz“, erzählt er im Gespräch mit mir. Sekunden später war klar: Kein Spaß. Mateo V. existiert laut LKA nur auf Papier. Der Spieler, der beim 14-maligen Tabellenführer lief, soll einen gefälschten Pass benutzt haben. Der Verein wurde informiert, das Sportgericht des BFV leitete ein Verfahren ein. Seitdem sind 100 Tage vergangen – und Haidhausen bangt um seine Saison.

Die Zahl 27 steht wie ein Galgen für den ambitionierten Klub. Ohne sie wäre Haidhausen punktgleich mit dem Spitzenreiter, mit ihnen rutscht man auf den vorletzten Platz. „Wir haben nicht geschummelt, wir wurden getäuscht“, sagt Scialdone. Doch Paragraph 77 der BFV-Rechts- und Verfahrensordnung ist knallhart: Einsatz ohne Spielberechtigung bedeutet nachträgliche Niederlage. 14 Mal. Die Begründung: Der Verein müsse prüfen, wen er aufstellt. Scialdone kontert mit Paragraph 29: Wenn die Verbandsdatenbank einen Spieler freischaltet und der Fehler für den Verein „nicht erkennbar“ ist, muss das Spiel neu angesetzt werden. „Das würde bedeuten, 14 Partien in den letzten Wochen der Saison zu wiederholen – utopisch“, sagt er.

Mateo v.: der mann mit den vielen gesichtern

Mateo v.: der mann mit den vielen gesichtern

Was niemand wusste: Der Mann, der sich 2018 erstmals mit gestohlenen Papieren beim BFV anmeldete, war bereits in mehreren Münchner Vereinen aktiv – FC Neuhadern, SV Aubing, später SpVgg Haidhausen. Fitnessstudio-Betrieb gab er als Beruf an, kam pünktlich zum Training, zahlte seine Beiträge. „Nullkommanull Auffälligkeiten“, sagt Rainer Wagner, der ihn bei Neuhadern betreute. Die Maske fiel erst, als die Polizei im Dezember einen Rauschgiftskuppelstützpunkt in Obersendling räumte. Mateo V. raste mit seinem BMW auf Beamte zu, wurde durch Schüsse gestoppt. In seiner Wohnung fanden die Fahnder fünf Kilo Amphetamine, 50 000 Euro Bargeld, scharfe Waffen – und eben die Pässe, die ihn auch auf den Fußballplätzen der Amateur-Liga existieren ließen.

Seitdem sitzt er in Untersuchungshaft, die Sonderkommission „Crystal“ ermittelt. Die SpVgg Haidhausen aber ist die Leidtragende. „Wir sind Opfer, nicht Täter“, betont Scialdone. Medien von der Sun bis zum Merkur berichten über den Fall, Anfragen häufen sich. „Das nagt an den Nerven, aber wir lassen uns nicht kleinkriegen.“ Der Verein legte Revision ein, binnen zwei Wochen will der Verband entscheiden. Sollte das Urteil bestehen bleiben, winkt nur der Abstiegskampf statt der Meisterschaft. „Dann war’s das mit dem Traum vom Aufstieg – aber nur sportlich. Rechtlich geben wir nicht auf.“

Die nächsten Tage sind entscheidend. Scialdone hat Gutachten, Zeugenaussagen und eine Petition vorbereitet. „Wir wollen keinen Präzedenzfall, wir wollen Fairness.“ Denn eines ist klar: Wenn Amateurvereine künftig für Betrug einzelner Spieler haften müssen, ist das System Amateurfußball längst nicht mehr das, was es sein will – nämlich ein Spielfeld für ehrliche Leidenschaft. Die SpVgg Haidhausen kämpft weiter. Und Scialdone? Der schläft derzeit drei Stunden pro Nacht. „Aber ich schlafe ruhig, weil ich weiß: Wir haben nichts falsch gemacht.“