Sprung-olympiasieger raimund schlägt handball-stars auf der matte

Philipp Raimund kam, sah und sprang. 65,71 Zentimeter hoch und damit alle HSV-Handballer nieder. Der Olympiasieger von der Normalschanze ließ dem EM-Champion Frederik Bo Andersen keine Chance – und das in dessen eigener Halle.

An der handball-linie lernt raimund, was kollektiv wirklich heißt

An der handball-linie lernt raimund, was kollektiv wirklich heißt

Raimund kennt die Einsamkeit des Schanzentischs. 15 Sekunden, dann fliegt er. Doch beim HandballSport Verein Hamburg bekommt der 25-jährige Adler des Deutschen Skiverbandes die volle Breitseite Mannschaftsport: 18 Stimmen, die brüllen, 18 Pulse, die im Takt klopfen, 18 Paar Augen, die sich auf Torsten Jansen richten. „Bei uns zählt nur der Sprung“, sagt er. „Hier zählt jeder Schritt.“

HSV-Kreisläufer Niklas Weller drückt ihm die fettige Hand einer Innenblock-Granate. „Komm, zeig uns, was du draufhast.“ Der Counter Movement Jump – ein einziger Satz Muskeln, der sich in die Höhe schnellt – wird zur Arena. 65,71 Zentimeter misst die elektronische Matte. Frederik Bo Andersen schaut auf sein Display: 61,4. Der Däne schüttelt den Kopf. „Der Typ springt, als hätte er Raketen im Oberschenkel.“

Raimund lacht, trinkt den Espresso, den ihm die Physio-Maschine serviert, und staunt über die Lautstärke. „Bei uns flüstern die Trainer, wenn sie die Winddaten checken. Hier brüllt der Coach, damit ihn die Hintermannschaft überhaupt hört.“ Für einen Nachmittag tauscht er Eins gegen Viel, Individual- gegen Kollektiv-High. „Ich stehe mit 16 Leuten in einem Kreis, das ist wie ein kleines Dorf, das gemeinsam sprintet.“

Ob er umsteigen würde? „Nur, wenn meine Knie mir den Gefallen tun und die HSV-Trikots eine Skispringer-Version bekommen.“ Er zwinkert, verabschiedet sich mit einem Satz, der wie ein Flugblatt klingt: „Wenn ich wieder auf der Schanze stehe, weiß ich wenigstens, wie sich 18 gemeinsame Herzen anhören.“

Die Handballer jubeln, als hätten sie gerade EM-Gold gewonnen. Dabei haben sie nur verloren – gegen einen Mann, der sonst im freien Fall lebt.