Senegal revoltiert: afrika-cup-titel weg, regierung wirft caf korruption vor

Dakar schlägt zurück. Nachdem der Confédération Africaine de Football (CAF) den Afrika-Cup-Sieg von Senegal annulliert und Marokko nachträglich zum Champion erklärte, schaltet sich nun die Politik ein – mit juristischen Atomwaffen und dem Vorwurf des gekauften Finals.

Die chronologie eines skandals

Die chronologie eines skandals

18. Januar: Sadio Mané strahlt, Patrice Motsepe überreicht die Trophäe. 48 Stunden später: Das 0:0 von Dakar wird zur Niederlage, weil die Berufungskommission das Spiel 3:0 für Marokko wertet – Strafpunkt wegen des Spielverweigerungs-Protests der Senegalesen. Jetzt: Die senegalesische Regierung spricht von „grob rechtswidrig“ und „eklatantem Verstoß gegen Sportethik“.

Die Begründung klingt wie ein Krimi. In der 93. Minute hatte Schiedsrichter Jean-Jacques Nadala Ngambo zwei umstrittene Elfmeter für Marokko gepfiffen. Die Lions verließen daraufhin demonstrativ den Rasen. CAF sieht darin einen Verstoß gegen Artikel 58 der Wettbewerbsordnung – und kassiert damit das sportliche Ergebnis nachträglich.

Die Reaktion in Dakar: „Diese Entscheidung ist nicht nur ein Tiefschlag gegen die Integrität des Fußballs, sie ist ein Anschlag auf die nationale Ehre“, kommentierte Regierungssprecherin Marie Faye. Das Statement spricht von „Verdacht auf Korruption innerhalb der CAF-Führung“ und kündigt Klage vor dem Internationalen Sportgerichtshof CAS sowie „allen geeigneten internationalen Instanzen“ an.

Die Summe der Vorwürfe ist brisant. Marokko galt schon vor dem Turnier als Liebling der CAF – nicht nur wegen des WM-Halbfinals 2022, sondern auch wegen milliardenschwerer Infrastruktur-Investitionen des Königreichs in afrikanische Fußballprojekte. Subsahara-Länder werfen Motsepe seit Jahren strukturelle Bias vor. Jetzt lodert der Vorwurf auf, das Finale sei im Vorfeld „verhandelt“ worden.

Für Senegal geht es um mehr als Pokale. Der Afrika-Cup war das größte Symbol der nationalen Identität nach Jahren der sportlichen Enttäuschung. Die Bilder von Mané, der in der Nacht des Finals Tränen vergoss, sind in Dakar noch immer omnipräsent. Die Entscheidung der CAF trifft ein Land, das sich gerade aus der Pandemie und wirtschaftlichen Turbulenzen erholte – und nun wieder mit Frustration konfrontiert ist.

Die juristische Eskalation ist beispiellos. Noch nie zuvor forderte eine afrikanische Regierung eine internationale Sonderermittlung gegen den eigenen Kontinentalverband. Experten vermuten, dass Dakar mit der Klage vor dem CAS nicht nur den Titel zurückholen will – sondern die Machtstrukturen innerhalb der CAF insgesamt ins Wanken bringen könnte.

Die Zeit drängt. Die nächsten Afrika-Cup-Qualifikationsspiele starten im März. Sollte der CAS-Prozess länger dauern, droht Senegal unter Zwangsbedingungen anzutreten – oder auszuschließen. Für Mané und seine Teamkollegen bedeutet das: Sie können Monate im Rechtsstaat verbringen, statt auf dem Platz zu spielen. Ein Gedanke, der selbst neutrale Beobachter erschaudern lässt.

Die CAF schweigt bislang zu den Vorwürfen. Intern kursiert, dass Motsepe auf eine „klare Linie“ pocht – und interne Disziplinarverfahren gegen Senegal prüft. Die Fronten verhärten sich. Wer jetzt noch von Fairplay spricht, wird in Dakar schlicht ausgelacht.

Am Ende bleibt eine bittere Erkenntnis: Der Afrika-Cup 2024 ist Geschichte – aber die Wunden sind frisch. Und sie werden erst verheilen, wenn ein Gericht entscheidet, ob Fußball noch ein Sport ist oder längst zur politischen Geisel wurde. Senegal kämpft bis zum letzten Atemzug. Die nächste Anhörung beim CAS steht bereits an. Die Uhr tickt. Die Trophäe steht weiter in einem Tresor in Rabat – doch ihr Glanz ist längst beschädigt.