Springer zittert, trifft, jubelt: deutscher ins viertelfinale der european darts trophy

13 Darts reichten. Niko Springer stand auf der Doppel-16, ließ die Pfiffe aus den Rängen hinter sich und nagelte den Matchdart ins Herz von Ross Smith. 6:5 hieß es, 95,03 im Average, 75 Prozent Doppel-Quote – die Zahlen eines Mannes, der sich gestern Abend in Göttingen nicht mehr bremsen ließ.

Smith hatte den besseren schnitt – und trotzdem verlor er

97,42 Punkte pro drei Darts schraubte der Engländer zusammen, aber was nützt der schönste Average, wenn das Finish kapituliert? 31,25 Prozent Doppel-Treffer, das ist ein Offenbarungseid unter der TV-Scheinwerferglocke. Springer dagegen verwandelte drei von vier Versuchen – und genau diese Kälte macht den Unterschied zwischen Achtel- und Viertelfinale.

Die Partie begann holprig, 0:2 lag der 25-jährige Mainzer hinten, doch dann drehte er auf. Mit der unbekümmerten Art, für die ihn die Fans lieben, stellte er auf 5:3. Smith schlug zurück, erzwang das Decider-Leg – und dort lieferte Springer eine Kleinigkeit ab, die man in der Fachsprache „first-out“ nennt. Kein Zögern, keine Show, nur ein stoischer Arm nach oben, als die 16 zweimal traf.

Als einziger deutscher hat er den sonntag erreicht

Als einziger deutscher hat er den sonntag erreicht

Samstagabend, kurz nach Mitternacht: Stephen Bunting war schon geschlagen, die Pfiffe verhallten, und plötzlich war Springer das letzte deutsche Flaggschiff im Turnierbaum. Nun wartet um 18 Uhr Damon Heta oder Kevin Doets – beide schießen seit Tagen über 100 Average. Die Kugel fliegt schneller, die Druckwelle wächst, aber Springer hat bereits bewiesen, dass ihm genau diese Hitze liegt.

Spätestens wenn das letzte Flight in der Arena schwingt, wird klar: Wer in Göttingen den Titel holt, muss an Springer vorbei. Und der „Meenzer Bub“ hat heute Abend erstmals richtig Lust, selbst die Krone zu tragen.