Spanische sportverbände erpressen parteien: mehr geld oder das system bricht zusammen
Die Asociación del Deporte Español (ADESP) hat vier Parteien im Congreso de los Diputados in einer Tour-de-Force vorgeführt – und jedem dieselbe Botschaft mitgegeben: Zahlt, sonst läuft 2025 nichts mehr. Der organisierte Sport will Subventionen, Steuervorteile und ein eigenes Gesetz, das ihn wie Musikfestivals fördert. Die Rechnung: Hunderte Millionen Euro, damit 68 Fachverbände nicht kollabieren.
Der deal steht offen
Keine Frage, der spanische Spitzen-Sport ist pleite. Die Rechte für Handball, Volleyball oder Rhönrad springen nicht mehr über die Runden, und die Schulden der Klubs wachsen schneller als die Trikotverkäufe von Lamine Yamal. José Hidalgo, Präsident von ADESP, nutzte die Audienzen bei PSOE, PP, Vox und Sumar, um ein Paket zu schnüren, das den Staat zu einem Geldautomaten für die Verbände macht. Kernforderung: Die strategischen Zuschüsse sollen sich verdoppeln, die Rechtevermarktung bekommt einen staatlichen Topf, und die Inklusionsprogramme werden zur Dauerbaustelle mit garantierter Indexierung.
Was niemand laut sagt: Ohne diese Injektion droht 2025 ein Domino-Effekt. Die Basketball-Liga ACB hat bereits mitgeteilt, dass sie ihre zweite Division streicht, wenn die Subventionen ausbleiben. Der Ruderverband kann seine Olympia-Boote nicht mehr warten. Selbst der Königliche Spanische Tennisverband, sonst gesegnet mit Milliarden aus dem Mutua Madrid Open, rechnet mit einem Minus von 30 Millionen Euro – weil Sponsoren abspringen und die Online-Glücksspiel-Steuer ihre Werbebudgets zerfetzt.

Der patronage-wildcard-trick
ADESP schickt noch einen Joker ins Rennen: ein „Patronage-Gesetz“, das kleine und mittlere Unternehmen steuerlich dafür belohnt, Sportfeste zu finanzieren. Wer 10.000 Euro in ein Regionalturnier steckt, soll 8.000 Euro von der Steuer wiederholen können. Das Modell stammt aus dem Musikbusiness, wo Konzertveranstalter seit Jahren mit ähnlichen Regelungen leben. Für den Staat wäre es ein Milliardengrab – für die Verbände die Rettung. Dazu kommt die Forderung, die Online-Glücksspiel-Steuer umzulenken: 1 % der Bruttospielerträge sollen direkt an die Fachverbände fließen. Bei einem Marktvolumen von 1,8 Milliarden Euro wären das 18 Millionen pro Jahr, allein für den Handball.
Der Clou: Die Subventionen sollen künftig nicht mehr im Dezember, sondern im März gezahlt werden – und zwar pauschal, damit die Verbände ihre Budgets planen können. Wer dann noch pleite ist, kann sich nicht mehr auf den Staat berufen. Es ist ein Ultimatum mit Handschlaggarantie.

Machtpoker mit dem estatuto del deportista
Als Druckmittel zieht ADESP den Athletenstatut aus der Schublade – ein Papier, das von den Sportlern selbst initiiert wurde und nun im Parlament schlummert. Der Verband droht, das Projekt zu blockieren, sollten die Parteien bei den Forderungen kneifen. Das wäre ein Schlag ins Gesicht von 15.000 lizenzierten Spitzensportlern, die auf bessere Sozialversicherung und Altersvorsorge warten. Die Botschaft: Erst das Geld, dann das Gesetz.
Die Reaktionen im Congreso spiegeln den Ernst der Lage wider. Keine Fraktion lehnt das Paket ab, aber niemand will die Kasse öffnen, bevor nicht klar ist, wer 2025 das Sportministerium führt. Die Parteien fürchten, dass jede Zusage im Wahlkampf als Geschenk an die Verbände missbraucht wird. Doch die Uhr tickt: Wenn bis zum 31. Dezember keine Einigung steht, müssen die Verbände ihre Etats kürzen – und der Protest der Athleten wird unvermeidbar.
Stefan Fischer
TSV Pelkum Sportwelt
