Spanien will sportgesetz revolutionieren: milliardenpaket für inklusion und tv-rechte

Die Asociación del Deporte Español (ADESP) hat die Glocken von Madrid zum Läuten gebracht. In nur 48 Stunden schmetterte Präsident José Hidalgo vor den Fraktionen von PSOE, PP, Vox und Sumar eine Roadmap auf den Tisch, die den spanischen Verbandssport neu aufstellen soll. Kernforderung: 1.200 Millionen Euro bis 2030 – sonst droht dem System ein Kollaps.

Der deal, der keine farbe kennt

„Der organisierte Sport versteht keine Parteifarben“, sagte Hidalgo nach dem Gespräch mit den Spitzen von vier Fraktionen. Die Botschaft ist ein Ultimatum mit Samthandschuhen: Wer bis Sommer nicht unterschreibt, kassiert beim nächsten Haushalt nichts. Die Rechnung ist simpel: Rund 5.800 Vereine hängen an der nächsten Tranche. Geht die aus, fallen Inklusionsprogramme für 340.000 Sportler mit Behinderung, Frauen-Ligen und die halbe Nachwuchsakademie weg.

ADESP verlangt jetzt eine Audio-Rechte-Quote von 8 % für jede Fernsehübertragung – bisher waren es 2,3 %. Der Zuschlag soll direkt an die Verbände fließen, nicht an Drittanbieter. Dazu kommt ein Steuerpaket: Kleine und mittlere Unternehmen sollen Sponsoring bis 500.000 Euro pro Jahr von der Körperschaftssteuer abziehen können. Die Idee dahinter: Ein Handwerksbetrieb aus Galicien kann sich künftig die Trikotbrust des regionalen Rugby-Clubs leisten, ohne sich selbst zu ruinieren.

Wenn der ball rollt, rollt auch die wirtschaft

Wenn der ball rollt, rollt auch die wirtschaft

Die Zahlen, die Hidalgo mitbrachte, sind brachial. Jeder öffentliche Euro, der in einen Verband fließt, generiert laut Studie der Universität Barcelona 4,30 Euro an indirekter Wirtschaftsleistung. Die Sportbranche sichert 400.000 Arbeitsplätze – mehr als die Chemie- oder die Stahlindustrie im Land. Spanien droht derzeit, diese Engine versiegen zu lassen: Die Inflation frisst 14 % der realen Subventionen pro Jahr auf, gleichzeitig kostet die Nach-Corona-Nachhole eine zusätzliche Million an Lizenzgebühren.

Ein weiterer Hebel ist der Online-Glücksspiel-Sektor. ADESP fordert 1 % der Bruttospielerträge als Solidaritätsbeitrag – das wären geschätzte 90 Millionen jährlich. Die Gegenleistung: Die Lizenzen der Anbieter werden auf fünf Jahre verlängert, wenn sie die Abgabe zahlen. Ein Kompromiss, der sowohl den Buchmachern als auch den Verbänden die Marge sichert.

Der zeitplan ist gnadenlos

Der zeitplan ist gnadenlos

Bis 15. Juli muss die große Koalition eine Gesetzesinitiative liefern, sonst platzt das Konstrukt. Die ersten 300 Millionen will Hidalgo schon im ersten Quartal 2025 auf den Weg bringen – per Vorabzusage, damit die Verbände ihre Haushalte planen können. Ein Scheitern würde bedeuten: Reduktion von 30 % der Stellen in den Sportfachverbänden, Streichung von 1.100 Turnieren und ein Exod von Talenten in die französischen und italienischen Nachbarligen.

Der letzte Satz des ADESP-Chefs bleibt hängen: „Wir haben die Türen aufgestoßen, jetzt müssen die Politiker nur noch durchgehen.“ Spanien wartet. Der Countdown läuft.