Spanien sagte 1930 ab – doch ein einzelkämpfer fuhr trotzdem zum ersten wm-kick
Spanien lehnte 1930 die erste WM in Uruguay ab – zu teuer, zu weit. Ein einziger Mann packte trotzdem den Koffer: Francisco Bru, Ex-Nationaltrainer, damals Coach des Racing Madrid. Er riskierte alles, wurde Chef der peruanischen Auswahl und schrieb ein Kapitel, das bis heute kaum jemand kennt.
Peru braucht einen trainer – und bru setzt eine forderung
Die peruanische Fussball-Föderation wirbt um Bru. Per Brief bot man ihm 1.000 Peseten plus Spesen. Seine Antwort: „Gibt man mir 2.000 Peseten, bezahlt in Madrid, reise ich.“ Er glaubte, damit die Sache erledigt. Stattdessen kam die Antwort per Telegramm: 150 Pfund Sterling – umgerechnet 6.750 Peseten. In bar. Die Frist war knapp, sein Racing Madrid lief gerade heiß. Bru wartete, bis die Königsklasse fertig war, und verließ Europa anderthalb Monate später. In Lima schon sprach man von „Betrug“.

Keine zigaretten, dafür sechs-uhr-training
Mittwoch, Ankunft in Lima. 44 Kandidaten standen auf dem Platz, zwei Testspiele fürs Wochenende anberaumt. Bru reduzierte binnen Stunden auf 18 Profis. Dann ging’s ins Provinzstädtchen Chincha Alta. Erste Order: alle Zigaretten abgeben, Rauchverbot. Zweite Order: Training um sieben. Die Spieler grinsten – sie seien es gewohnt, um sechs anzufangen. Der Madrilene griff hart durch, modernster Konditionsplan weit vor seiner Zeit. Die Presse, anfangs skeptisch, feierte ihn schon nach Tagen.

Das vergessene 4:2 gegen paraguay
Bru notierte später ein 4:2-Sieg im Freundschaftsspiel gegen Paraguay – die erste Niederlage der Guaraníes überhaupt. Offizielle Aufzeichnungen fehlen. Doch Bru beschrieb, wie Matrosen nach dem Schlusspfiff in die Kabine stürmten und in die Luft feuerten. Eine Kugel tödlich. Eine Frau, das Stadion verlassend, starb auf der Treppe. Der Jubel wurde zur Tragödie.

Uruguay 1930: ein tor aus dem nichts
Im offiziellen Turnier kassierte Peru gegen Rumänien späte Treffer zum 1:3. Dann kam der Gigant Uruguay – im frisch eingeweihten Estadio Centenario. 90 000 Zuschauer wollten eine Demolition sehen. Statthat es nur ein Tor: ein harmloser Schuss von Peregrino Anselmo Castro, Keeper Jorge Pardón sah ihn spät, der Ball prallte von der Kniescheibe ins Netz. Peru protestierte gegen Schiedsrichter John Langenus und das „Lochkäfig-Stadion“, in dem Zuschauer bis auf die Torauslinie drängten. Mehr blieb nicht.
Schuhe voller revolution
Endstand: Peru raus, bis 1970 kein weiteres WM-Ticket. Bru flog zurück nach Madrid. Doch das Abenteuer ging weiter. 1931 reiste er erneut nach Südamerika – diesmal, um Freundschaftsspiele für Racing zu organisieren. Auf dem Schiff traf er Ricardo Guzmán Marquina, Präsident der peruanischen Föderation. In Colón, Panama, lud Guzmán Marquina den General Luis Sánchez Cerro zum Essen. Nach dem Kaffee bat der General Bru um einen Gefallen: Briefe nach Lima schmuggeln, adressiert an höchste Militärs – ein geplanter Putsch. Bru sagte Ja, versteckte die Schreiben in seinen Schuhsohlen. Er landete in Lima, lieferte aus, flog heim. Kurz darauf putschte Sánchez Cerro, wurde Präsident, 1933 ermordet. Bru schwieg, schrieb seine Memoiren und starb 1962. Im Bernabéu klatschte man ihm später stehend Ovationen – für einen Mann, der ein Turnier verpasste, aber Geschichte schrieb.
