Spalletti zerreißt juve nach 2:0-sieg: «ich weiß nicht, mit wem ich arbeite»
Der Sieg war da, die Kritik umso brutaler. Luciano Spalletti ließ nach dem 2:0 gegen Genua keine Sekunde verstreichen, um seiner Juve die Wahrheit entgegenzuschleudern: «Nach sechs, sieben Monaten bin ich mir noch immer nicht sicher, mit wem ich es hier zu tun habe.»
Die wut des trainers traf alle – besonders die stars
Die Worte hallten durch die Mixed Zone von Turin wie ein Schuss. Kein «Bravo», kein «Weiter so», sondern ein Seziermesser. Spalletti nahm den 2:0-Sieg, zerlegte ihn und fand nur Mittelmaß. «Das Problem ist, dass wir uns mitunter mit der schwächeren Version von uns selbst zufriedengeben», sagte er bei Sky. Die Anspielung war klar: Wer in der Pause das Spiel versäumt zu managen, darf sich nicht wundern, wenn ein Penalty an den Pfosten klatscht und plötzlich die ganze Saison wackelt.
Die Statistik liefert ihm Recht: Juve dominierte die erste Hälfte, verschoss in der zweiten 62 Prozent ihrer Pässe im Aufbau – die schlechteste Quote seit 2021. Es war nicht die erste Warnung, aber die deutlichste. Spalletti will keine Erfolgsmüdigkeit, sondern eine DNA, die Spiele frühstückt statt sie am Ende mit Zähnen und Klauen zu retten.

Mckennie wird zum maßstab – yildiz, locatelli & co. auf dem prüfstand
Weston McKennie ist derzeit der einzige, der laut Spalletti «durchgehend auf Top-Niveau» blieb. Der US-Amerikaner lief 11,3 km, gewann 14 Zweikämpfe, spielte jeden Ball sicher weiter. Sein Belohnung: ein vorzeitiger Vertragsgarant für 2026. «Er zeigt, wie man Profi sein muss», so der Trainer. Die anderen erhalten Hausaufgaben.
Kenan Yildiz beispielsweise kam von der Länderspielpause mit Torjubel zurück, verlor dann aber in Turin jeden zweiten Ball. Locatelli und Cambiaso trugen die italienische Enttäuschung nach dem Azzurri-Aus wie Blei in den Knöcheln. Spalletti stellte sie trotzdem auf, um zu testen, wie schnell sie sich resetten. Seine Diagnose: zu langsam.
Die Konsequenz ist Programm: Wer bis Mai nicht beweist, dass er 90 Minuten lang Dauerdruck erzeugt, fliegt aus dem Champions-League-Kader für 2025/26. Keine Sozialtour, keine Gnade. Juve will wieder um den Titel mitspielen – und das bedeutet laut Spalletti «eine Härte, die wir erst noch entwickeln».
Die Meisterschaft rückt näher, die Konkurrenz nicht. Mailand feierte am Wochenende einen Fünf-Tore-Kanapee, Roma schraubte die Pressing-Schraube auf Anschlag. Juve dagegen zittert gegen Genua. Spalletti hat die Zeit der netten Worte beendet. Wenn seine Spieler nicht liefern, kauft der Klub im Sommer einfach neue. Die Ablösesummen sind längst reserviert.
Der Countdown läuft. In 25 Tagen entscheidet sich, ob Spalletti endlich weiß, mit wem er arbeitet – oder ob er ein neues Team baut. Die Antwort liegt nicht in seinen Worten, sondern in 2.250 Minuten Restsaison. Keine Minute davon darf nachlegen.
