Skandal-tor bringt davos auf halbfinal-kurs – zug protestiert vergeblich

Ein Schlenzer, ein Kontakt, ein Aufschrei. Tino Kessler schraubte sich in der 38. Minute durch den EVZ-Slalomkurs, schoss und traf – doch die Scheibe war längst nicht das einzige, was ins Wanken geriet.

Die szene, die die arena spaltet

Die szene, die die arena spaltet

Matej Stransky stand dabei, wo sich Torhührer bewegen: im blauen Farbraum. Leonardo Genoni versuchte, sich aus dem Schusswinkel zu schälen, fand aber genau den Körper des Davos-Stürmers vor. Kontakt? Ja. Behinderung? Darüber zerbröselt seit dem Schlusssiren die ganze Liga. Die Referees sahen keinen Grund, das Tor zurückzunehmen – und gaben den Bündnern zusätzlich noch eine Überzahl mit ins Schlussdrittel. Für Zug-Coach Benoit Groulx die zweite bittere Niederlage innerhalb von 48 Stunden, denn auch Spiel drei war an einer ähnlichen Szene entzweigebrochen.

Die Zahlen sind gnadenlos: 14–1 Torschüsse im Mitteldrittel, 2–1 auf der Anzeigetafel, 3–2 in der Serie. Davos riebt sich die Hände, Zug die Augen. Denn was die Offiziellen unter „marginal“ verbuchen, empfinden die Berner Seelernte als „systemrelevant“. Sven Helfenstein schüttelt im MySports-Studio den Kopf: „Genoni kommt nicht mehr zurück, weil Stransky ihn in der Fanghand fesselt. Das ist kein Eishockey-Tor, das ist ein Kuddelmuddel.“ Christian Wohlwend schlägt den VAR ein zweites Mal in dieser Playoff-Saison vor – und kassiert dafür ein müdes Lächeln von Ligachef Denis Vaucher, der weiß: Die Regel ist so schwammig, dass selbst ein Videoraum nur neue TV-Bilder, aber keine neue Wahrheit liefern würde.

Was bleibt, ist ein Geschmack wie verbrannter Gummi. Davos steht vor dem Halbfinale, doch die Debatte über „Was ist noch Hockey?“ begleitet den Club wie ein Schatten. Und wenn die Zuger morgen in die Arena stapfen, werden sie nicht nur ein Puck im Gepäck haben, sondern auch ein Anliegen: Revanche – und vielleicht eine Regel, die endlich klare Kanten statt blaue Flecken hinterlässt.