Six-nations-pokal in flammen: original-trophäe ruiniert, ersatz muss ran

Die Trophäe, die seit 2015 den Sieger des ältesten Rugby-Turniers der Welt krönt, ist nicht mehr als ein Häufchen verbranntes Silber. Vor zwei Wochen, auf der Fahrt von Limerick nach Dublin, geriet der Transporter in einen Unfall, Feuer griff um sich, und innerhalb von Minuten war die 75 cm hohe Cups aus Britannia-Silber irreparabel verkrustet. Kein Mensch kam zu Schaden – doch das Symbol der Six Nations litt Schaden, der sich nicht flicken lässt.

365 Stunden schmiedearbeit für einen neuanfang

Die Organisatoren reagierten binnen 24 Stunden. Was die Fans ab der vierten Turnierwoche in den Stadien sehen, ist eine 1:1-Kopie, gegossen aus demselben Formwald, aber ohne die Patina der Geschichte. Das Original, erklärt ein Sprecher, „wird in Teilen recycelt – so viel Erinnerung retten wir noch“. Für die dauerhafte Lösung haben die Six Nations bereits die Londoner Goldschmiede Thomas Lyte beauftragt, die auch 2015 den Pokal schufen. 365 Arbeitsstunden, verraten die Meister, braucht es, bis die neue Trophäe 2027 ihren ersten Champagnerdusche einsteckt.

Und die Kosten? Offiziell schweigen die Veranstalter. Branchenkreise sprechen von 120 000 Euro – plus Transportversicherung, die offenbar nicht an die Dimension „kulturkollateralschaden“ dachte.

Ein déjà-vu für sammler und traditionalisten

Ein déjà-vu für sammler und traditionalisten

Kenner erinnern sich sofort an die Calcutta Cup von 1988, als zwei betrunkene Internationals den Pokal durch die Edinburger Innenstadt trateten. Auch damals musste ein Nachbau her. Der Unterschiel: Die damaligen Schuldigen wurden für ein Spiel bzw. sechs Monate gesperrt, diesmal war’s ein technischer Defekt – und niemand kriegt die Quittung.

Für die Teams ändert sich sportlich nichts. Punkte zählen weiter, nicht Präsentation. Doch die Aura leidet. „Wenn du den Pokal hebst, willst du die Beulen der Geschichte spüren, nicht die Frische aus der Gießform“, sagt Irlands Kapitän Caelan Doris nach dem Training in Dublin. „Die Kopie glänzt zu perfekt – sie widerspiegelt nicht einmal unsere Schrammen.“

Die Six Nations haben zugesagt, die Reste des Originals in einem kleinen Museum an der Aviva Stadium zu präsentieren – Asche, Wärme, Mythos inklusive. Dort kann jeder Fan ab Sommer das verbogene Metall betrachten und sich fragen, ob ein Turnier, das 1883 begann, wirklich eine glänzende Zukunft braucht oder ob echte Geschichten eben auch Brandflecken tragen.