Sinner schmerzt, zverev wartet – indian wells kocht vor halbfinale

Jannik Sinner spürt den Rücken, nicht die Angst. 20 Minuten vor Trainingsende stoppte der Weltranglistenerste am Freitagabend in Indian Wells, ließ sich von Physio Resnicoff die Lendenwirbelsäule kneten, schlug danach noch zwei Bälle ins Feld – und ging. 21.30 Uhr Ortszeit steht die Frage: reicht die Schiene für Alexander Zverev?

Die Antwort könnte Tennis-Geschichte schreiben. Sinner jagt das letzte fehlende Puzzlestück in seiner Sammlung: ein Masters-1000-Titel auf Hartplatz. Indian Wells gilt als härteste Prüfung vor dem Saison-Showdown in Miami. Fehlt nur die finale Schürfwunde.

6:4 Im kopf, 5:0 im lauf – die serie gegen zverev

Die Zahlen sind eindeutig, aber vergessen. Sinner gewann sechs der zehn Duelle, die letzten fünf am Stück. Zverevs letzter Erfolg datiert auf die US Open 2023, seither hat der Deutsche keine Antwort auf die italienische Ballmaschine gefunden. Doch der 26-Jährige kommt mit frischem Schlagwerk: 102 Winners in vier Matches, ein neuer Aggressionsmodus, der sogar Carlos Alcaraz ins Nachdenken brachte.

„Er schlägt früher drauf“, sagt Sinner und klingt wie ein Analyst, nicht wie der Gejagte. „Das macht ihn unberechenbar.“ Der Satz endet mit einem leisen Lächeln. Unberechenbar ist auch, wie viel seine Bandscheibe aushält.

Die stunde der wahrheit – und das finale wartet schon

Die stunde der wahrheit – und das finale wartet schon

Gewinnt Sinner, trifft er morgen auf Alcaraz oder Medvedev – zwei Männer, die ihn bereits in diesem Jahr in Fünfsatz-Krimis in die Knie gezwungen haben. Verliert er, bleibt die Hartplatz-Lücke. Die Uhr tickt lauter als je, denn hinter der Sonnenbrille von Indian Wells lauert die Erkenntnis: Kein Spieler der Open Era gewann alle vier Grand Slams, ohne vorher mindestens einen Hartplatz-Masters zu holen.

Die Tribünen sind ausverkauft, die Wüste kocht. Sinner betritt den Court mit Tape unter dem Shirt und der Ruhe eines Mannes, der weiß: Heute zählt nur der erste Ball. Die Schmerzen? „Ein Geräusch“, sagt er. „Kein Stoppschild.“

Um 21.30 Uhr PST fällt der Startschuss. Dann entscheidet sich, ob der Rücken hält – oder die Geschichte.